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Claude Debussy

Images für Orchester, Prélude à l’après-midi d’un faune, La mer

Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony SK 62599
(72 Min.) 1 CD

Wer die anthrazitfarbene CD aus der Hülle hebt, wird das darunter verborgene Bild einer eisgrauen, Februar-tristen See entdecken und frösteln. Dieses Gefühl darf man mit einer mythischen Klangfigur teilen: Debussys Faun erlebt mit dem finnischen Dirigenten Esa-Pekka Salonen und dessen Orchester aus Los Angeles die vielleicht unterkühltesten zehn Minuten seines ewigen Nachmittags. Doch faunische Schwüle ist das einzige Opfer, das Salonen seinem anti-koloristischen Stil bringt. In der Iberia-Suite, wo sonst unter Kastagnettengeklapper tief in die Orchesterfarben gegriffen wird, entwirft Salonen sein Spanien ganz aus Rhythmen und Linien. Er geht indes nirgends soweit, Debussys Instrumentationswunder strukturell zu zerfleddern.
Geschmeidiger, wirklich “doux et léger”, könnten die Holzbläser in “Rondes de printemps” kaum sein; selten waren diese vernachlässigten Außenflügel des Images-Triptychons mitreißender zu hören. Die aufregendste Entdeckung bietet die aufnahmetechnisch fantastische Produktion im Schlußbild des “Meers” mit jenem “plus calme et très expressif” überschriebenen Wellental (ab Minute 4.20): Kein großer Debussy-Interpret von Ansermet bis Boulez wagt es, das Branden des Seestücks derart magisch zu beschwichtigen. Salonens Stab gebietet den Wogen, für enorme zweiundneunzig Sekunden nahezu stillzustehen. Das Meer scheint sich in flageolettgleißendes Licht zu verwandeln.

Matthias Kornemann, 30.04.1997



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