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Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann

Sinfonie Nr. 1, Sinfonie Nr. 4

NDR Sinfonieorchester, Thomas Hengelbrock

Sony 88697 940022
(57 Min., 3/2011)

Felix Mendelssohns erste Sinfonie c-Moll sei ein „frappierend stürmisches Eröffnungsopus“ des erst fünfzehnjährigen angehenden Sinfonikers, das zu Unrecht ein „wenig beachtetes Schattendasein“ führt, heißt es im Beiheft zu dieser CD – dem ist nichts hinzuzufügen, denn Thomas Hengelbrock beweist von der ersten Sekunde an, dass diese Musik unbedingt gespielt gehört – am besten so, wie er es hier vorführt: knackig-virtuos, gestochen scharf auch in den rasenden Läufen, dynamisch und artikulatorisch minutiös durchgestaltet bis ins kleinste motivische Detail und dennoch aus einem Guss. Eigens in den modernen NDR-Klangkörper eingeschleuste Naturhörner und -trompeten unterstützen das durchdachte Klangkonzept maßgeblich. Im langsamen Satz staunen wir über die wunderbar differenzierten Farbnuancen, die Streicher und Holzbläser in verschiedenen Kombinationen nicht nur im Melodienspiel der Diskantlage, sondern auch in den Begleitstimmen hervorbringen. Es ist ein einziger Genuss.
Wie schön, dass all dies auch bei Schumanns „Vierter“ so weiter geht – hier freilich umgeben von jenem Schleier der Melancholie und des Schwermuts, der Schumanns Musik so oft zum besonders tiefen, unmittelbar bewegenden Hörerlebnis macht. Hengelbrock formt und gestaltet auch hier filigran und höchst präzis, aber dunklere Farben und stärker in den Vordergrund drängendes Blech überlagern die nervöse Bewegtheit der Musik; gerade ihre diesbezügliche Vielschichtigkeit wird in der vorliegenden Darbietung, die übrigens auf einer Rekonstruktion der 1841er Frühfassung der Sinfonie beruht, überzeugend vermittelt.
Kein Zweifel: Auch Hengelbrocks CD-Einstand mit dem NDR-Orchester, dessen Chef er nun ist, dürfen wir aus voller Überzeugung ein „frappierend stürmisches Eröffnungsopus“ nennen; gleichzeitig lässt uns die beachtliche Tiefendimension hoffen, dass diese Formation noch einige solche CDs hervorbringen wird.

Michael Wersin, 01.10.2011



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