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Tomás Luis de Victoria

Sacred Works

Ensemble Plus Ultra, Michael Noone

Archiv Produktion/Universal 4779747
(678 Min., 1/2008 - 11/2009) 10 CDs

Nicht jeder Komponist, der dieses Jahr Jubiläum feiert, hat den Rummel auch nötig. Der vor 400 Jahren gestorbene Tomás Luis de Victoria (1548 -1611) schon. Victoria, der aus Spanien stammte, in Rom als Nachfolger von Palestrina Karriere machte und schließlich als Kaplan und Kapellmeister der Kaiserin Maria in seine spanische Heimat zurückkehrte, gilt zwar als berühmtester Renaissancekomponist seines Landes. Auch wird seinen Kompositionen immer wieder eine „mystische“ Qualität nachgesagt. Aber eine repräsentative Werkschau wie diese hat bisher gefehlt. Um mehr als eine Kompilation des Bekannten zu bieten, hat Michael Noone bei der Auswahl der über neunzig Werke aus dem Œuvre Victorias einen Schwerpunkt auf bisher uneingespielte Stücke, Manuskriptfassungen bekannter Werke und Stücke aus Victorias später Zeit in Madrid gelegt, wobei die Musik für die Osterliturgie in Madrid mit Sängern und Instrumenten besetzt ist. Zu Noones erklärtem Anliegen gehört es dabei, die Musik Victorias „nicht immer als mystisch abzutun“, sondern „sich lieber die Texte genau anzusehen, die er vertonte“. Und er hält Wort, ohne dass das Ergebnis im geringsten ernüchternd wirken würde: Victorias Klangmagie, die in seiner schwingenden Melodik, einer frühbarocken Harmonik im Renaissancegewand und dem raffinierten Überblenden der Texturen liegt, gewinnt auf die Dauer noch dadurch, dass die Worte klar zu verstehen sind, dass die Stimmen bei aller brillanten Reinheit unterscheidbar und geerdet bleiben und nicht in einer diffusen ätherischen Klangwolke verschmelzen. Und so schreitet man bewusst und nicht vernebelt bis zum siebenten Himmel hinauf.

Carsten Niemann, 01.10.2011



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