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Claude Debussy, Ottorino Respighi

La mer, Jeux, Deux nocturnes, Fontane di Roma

Orchester der Akademie St. Cecilia Rom, Victor de Sabata

Testament/Note 1 SBT1108-R01
(69 Min., 1947, 1948) 1 CD

Zwei Aspekte dieser Aufnahmen sind verblüffend bis nah an die Wundergrenze: Erstens, dass der 1892 in Triest geborene Dirigent Victor de Sabata (gestorben 1967) ein eher drittklassiges Orchester zu solchen Leistungen animieren konnte; zweitens, dass all dies, noch im Mono-Mittelalter aufgenommen, so unmittelbar klingend für die CD aufbereitet wurde, mit einer solchen Fülle orchestraler Details – oder besorgte dies bereits die Klangorganisation de Sabatas?! Das bisschen Rauschen, das noch übrigbleibt, beruhigt eher: Fehlte es, hätten die Digitalhexer vermutlich allzu frei manipuliert.
Victor de Sabata war nicht nur Perfektionist, er war auch ein begnadeter Ausdrucksmusiker, wie man hier erneut hören darf; eine Legende könnte er sein, auf ähnlich breiter Basis wie Toscanini oder Furtwängler – aber er machte sich rar, zu rar. Er sah sich, wie viele große Dirigenten dieses Jahrhunderts, lieber als Komponist. Mit Gustav Mahler fing das ja wohl an, glorios, und ging dann über Furtwängler, über Markevitch und natürlich Bernstein bis hin zu (na ja) Maazel.
Auch war de Sabata kein Freund von Plattenaufnahmen – ein weiterer Grund für die Reduktion seines Nachruhmes auf das Bewusstsein weniger Kenner. Dabei müsste man nur de Sabatas elektrisierende Darstellung von Respighis "Fontane di Roma" hören, das fabelhafte Klang-Pingpong von Debussys "Jeux" sowie die geradezu rauschhaft-kühl-kühne (und merkwürdigerweise nie zuvor veröffentlichte) Version von "La mer", um den singulären Rang dieses "Brotarbeit-Dirigenten" zu erkennen, denn als solchen sah er sich selbst – unglaublich.
Ich möchte hier nicht die Namen der hauptberuflichen "Pultstars" nennen, die de Sabata nicht das Wasser reichen konnten und können. Die Liste wäre zu lang.

Thomas Rübenacker, 28.02.1998



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