Responsive image
Johann Sebastian Bach

Dritter Theil der Clavier Übung

Jeremy Joseph

NCA/harmonia mundi NCA 60230
(103 Min., 8/2010) 2 CDs

Bachs „Dritter Theil der Clavier Übung“, der vom Thomaskantor 1739 veröffentlicht wurde, gehört nicht nur in technischer, sondern gerade auch in musikalischer Hinsicht zu den anspruchsvollsten Werken der barocken Orgelliteratur. Die minutiös durchstrukturierte Sammlung von Choralbearbeitungen und Duetten, die von einem glanzvollen Präludium und einer fünftstimmigen Fuge gerahmt wird, bietet von der Zweistimmigkeit der Duette bis zum dichten sechsstimmigen Kontrapunktgeflecht von „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ die unterschiedlichsten Satzmodelle. Zugleich verlangt Bach auch Sattelfestigkeit in allen erdenklichen Stilebenen: vom altehrwürdigen stile antico bis hin zum beinahe modischen Triosonatensatz.
Der 1978 in Südafrika geborene Jeremy Joseph, der 1999 den internationalen Silbermann-Wettbewerb gewann, präsentiert dieses kompositorische Hexenkabinett an der Silbermann-Orgel der Dresdner Hofkirche in einer souveränen, durchdachten Einspielung, in der besonders die warm glänzende Klangpracht des Instruments sowie die melodischen Qualitäten von Bachs Musik zur Geltung kommen. Etwas weniger überzeugt Joseph in puncto Durchhörbarkeit, was nicht nur an der Aufnahmeperspektive, sondern auch an den oft nicht knackig genug artikulierten Basspartien liegt. Auch wenn die Aufnahme kein völlig neues Kapitel in der Diskographie der Clavier Übung aufschlägt, ist sie als Dokument eines inspirierten und versierten jungen Organisten an einem historisch bedeutenden Instrument durchaus zu empfehlen.

Carsten Niemann, 15.10.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ironie, Satire, Persiflage: Es sind die wohl schwierigsten Kommunikationsformen überhaupt. Und noch mehr, wenn es um musikalische Kommunikation geht. Denn hier ist selten einfach das gemeint, was offensichtlich ausgedrückt wird, sondern meist eine Haltung des Komponisten dazu, sei es eine Distanzierung, eine Kritik oder einfach nur ein derber Spaß, den er sich erlaubt. Dmitri Schostakowitsch war ein Meister dieser unterhaltsamen Kunst der Zwischentöne. Sein erstes Klavierkonzert, das er mit […] mehr »


Top