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Robert Schumann

Papillons, Kinderszenen, Fantasie, Geistervariationen

András Schiff

ECM/Universal 476 3909
(139 Min., 6/2010) 2 CDs

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat András Schiff sein letztes Schumann-Album vorgelegt. Als ob er aber diese (zumindest im Studio selbstgewählte) Schumann-Abstinenz mit einem Schlag vergessen machen will, legt der Ungar nun gleich eine Doppel-CD vor, auf der ausschließlich gewichtige Werke vertreten sind. Zugleich steckt die Auswahl die Lebensbahn vom jungen Klavierkomponisten bis zum schwer erkrankten Schumann ab, von den „Papillons“ aus den Jahren 1829-32 bis zu den „Geistervariationen“ von 1854. Schiffs Rezital will aber kein musikalisches Psychogramm sein. Dazu besitzt allein der (vielleicht allzu) brillant eingefangene Klavierklang eine anspringende Unmittelbarkeit. Romantische Überschwänglichkeit und das verstörend Zerrissene sind bei Schiff somit nicht zu bekommen. Und obwohl er damit ganz und gar bei sich bleibt und nicht eine einzige Sekunde außer sich gerät, kann er die poetische Wirksamkeit dieser unterschiedlichen Musikwelten schlichtweg beeindruckend vermitteln.
Die zwölf „Papillons“-Vignetten kommen mit einer pianistischen Vitalität daher, dass einem etwa der Walzer-Schwung der Nr. 8 schon gehörig in die Glieder fährt. Auch die Sonate Nr. 1 durchzieht ein natürlich gewachsener Ton, hier herrscht vergnügliche Diesseitigkeit und handfester Furor. Mit den „Kinderszenen“ schließt die erste CD – und auch hier bleibt Schiff seiner Clarté treu, indem er die schlichte Lyrik dieses Zyklus betont. Vielleicht am bedenklichsten erweist sich Schiffs ‚pragmatischer‘ Zugriff auf die Fantasie op. 17. Da wäre trotz des Maximums an Durchhörbarkeit noch mehr das Instinktive und Elementare gefragt. Mit den mal unbeschwerten, mal impressionistisch durchwehten „Waldszenen“ und den hymnisch schönen „Geistervariationen“ beschließt Schiff ein Schumann-Bild, das in seiner Direktheit zu den ungewöhnlichsten zählt, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Guido Fischer, 15.10.2011



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