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Franz Schubert

Schwanengesang (D 957), Auf dem Strom (D 943), Die Sterne (D 939)

Mark Padmore, Paul Lewis, Richard Watkins

harmonia mundi HMU 907520
(67 Min., 10/2010)

Zum Abschluss seiner Schubert-Liederzyklen-Reise wagt Mark Padmore noch einmal eine Gratwanderung, die den Hörer schwanken lässt zwischen Bewunderung und Kopfschütteln. „Tiefe und Fülle der Empfindung“, „echte Innigkeit“, „Zauber seelenvoller Begeisterung und zarteste Gemütlichkeit“: Die Vokabeln, mit denen der Wiener Verleger Haslinger 1829 unter dem bedeutungsschweren Titel „Schwanengesang“ die Sammlung letzter Schubert-Lieder annoncierte, nimmt sich der englische Tenor eins zu eins zur Interpretationsmaxime. Jede der vierzehn Nummern, nicht nur die extrovertierten, modelliert er zum Bühnendrama, in dem nahezu jedes Rellstab- oder Heine-Wort emphatisch „aufgeladen“ wird, so dass man sich mitunter schier erdrückt fühlt – gerade auf diesem kleinsten Lied-Raum. Eindeutige Bewunderung hingegen ist der (fremdsprachigen) Artikulation des Engländers zu zollen. Und der einzigartigen Klangfarben-Kongruenz: Wie geschaffen scheint sein kopfstimmenreiches Timbre für das „silbern und hell“ der eröffnenden „Liebesbotschaft“ oder die „blumigen Düfte“ der „Frühlingssehnsucht“. Überhaupt ist Padmores eigentliches Terrain das lyrische – im Traum von der fernen Geliebten oder dem Fernblick auf das Naturidyll, das verlorene, „schöne Heimatland“ oder die Gestirne (wie ihn die Zugabe „Auf dem Strom“ besonders plastisch eröffnet). Für Schuberts existentielle Ausbrüche aber, die „Schmerzensgewalt“ des „Atlas“ oder „Doppelgängers“, fehlen dann doch einige (Brust-) Register. Nur schwer zu goutieren ist schließlich das Vibrato des inzwischen 50-Jährigen, das die Schlichtheit des allbekannten „Ständchens“ fast karikaturhaft stört. Gleichwohl: Dieser „Schwanengesang“ berührt – nicht zuletzt der außergewöhnlichen Partnerschaft zweier Experten wegen, die sich nahtlos verstehen. Ein klangfarben-sinnlicherer, nuancierterer „Begleiter“ als Paul Lewis lässt sich jedenfalls kaum denken.

Christoph Braun, 15.10.2011



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