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Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviersonaten Nr. 2 + 4

Hans Leygraf

dB/Klassik Center DBCD76, DBCD78
(9/1981, 7/1982, 2/1984) 2 CDs

Eine unerbittliche, fast mürrische Ausdruckssparsamkeit, die alles Flüchtige, Rokoko-rankende verdorren lässt, zeichnet Hans Leygrafs in den frühen 80ern aufgenommenen Mozart-Zyklus aus. Der bedeutende Pädagoge und, man verzeihe das abgenutzte Wort, unterschätzte Pianist gräbt sich in seinen grüblerischen Altersstil, der sich – vergleicht man ihn mit der herrlichen Epiphanie des Opernhaften bei Daniel-Ben Pienaar – aus den Furchen des genuin Pianistischen nicht lösen mag. All die Figuren und Formeln des Mozartschen Vokalstils, gängige Scheidemünze in seiner Welt, klingen hier, als seien sie dem Tasteninstrument allein entsprungen.
Und wieder geht es im Grunde um das große Mozart-Rätsel der Verwandlung des Überkommenen, höchst Konventionellen in eine eigene Sprache. Löste Pienaar es mit magischer Beseelung, bürdet Leygraf Mozarts fragilem Klaviersatz soviel Gewicht auf, bis wir ihm glauben, noch die kleinste Geste „bedeute“ etwas. Nicht jedes Stück trägt diese Last. Es ist, als klebe die Rechte im Finale der C-Dur-Sonate KV 330 an den lehmschweren Stiefeln der Linken, und auch die zarten Pointen im Finale von KV 280 krümmen sich unter einer derben Hand, die hier einen Beethovensch polternden Humor herauskneten möchte. Doch gerade in den langsamen Sätzen gräbt Leygraf die wesentlichen Akzente treffsicher heraus. Wenn er im Andante der B-Dur-Sonate KV 333 die auftaktigen, in der Exposition recht belanglosen Achtelschläge im Mittelteil in ein dunkel pochendes, fast bedrohliches Pulsen in einer fahl herabgedämpften Schattenwelt verwandelt, berührt er die dunklen Fundamente dieser Musik. Nur daran scheint ihm gelegen zu sein. Flitter und Anmut überlässt er den anderen, um das Wesentliche hart und kontrastreich auszuleuchten. So haben diese seltsam aus der Zeit gefallenen Aufnahmen ihren herben, schwierigen Reiz.

Matthias Kornemann, 22.10.2011



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