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Talk To Me

Freddy Cole

high note/ZYX HCD 7225
(48 Min., 5/2011)

Er stammt aus einem anderen Jahrhundert: Freddy Cole, Sänger, Jahrgang 1931, verfügt auch mit 80 Jahren noch über die guten alten Entertainer-Qualitäten, die seinen zwölf Jahre älteren Bruder Nat King, Billy Eckstine oder Frank Sinatra zu Weltstars machten. Er lässt sich Zeit, und er verfällt in eine erzählende Haltung, mit der er das Publikum mit melodiöser Stimme direkt anspricht. Ein Quartett mit Klavier, Bass, Gitarre und Schlagzeug unterstützt ihn dabei, und zudem übernehmen Bläser Soli und gelegentlich auch eine dezente Hintergrundbegleitung, die Freddy Cole eindeutig ins Zentrum stellt. Voll klingt seine Stimme, manchmal etwas angeraut, aber das gehört zu den Songs, mit denen er auf einer großen Bühne Baratmosphäre zaubern muss. Den Charmeur gibt er, den erfahrenen älteren Herrn, den abgeklärten, der schon viel erlebt und viele erobert und noch lange nicht genug hat. Dass den Autoren der Songs, die seit Dutzenden von Jahren zum Standard-Repertoire der Entertainer zählen, oft nur Klischees und sicher nicht erfolgsträchtige Anmachersprüche einfielen – was soll’s. Der imaginäre Cocktail steht trotzdem auf dem Tresen, und die Dame mag darüber lächeln, aber mit ziemlicher Sicherheit flieht sie nicht, denn Freddy Cole versteht sich auf sein Genre. Als er 1990 nach Jahren als Pianist, Studiomusiker und eher lokal bekannter Sänger die internationale Solokarriere einleitete, nannte er die erste Platte: „I'm Not My Brother, I'm Me“. Korrekt. Und hörbar, denn Freddy Coles Stimme ist rauchiger. Außerdem phrasiert er um einiges jazziger als sein Bruder. Gemeinsam mit dem 1965 gestorbenen Weltstar ist, dass er auf der Bühne den Herzensbrecher gibt.

Werner Stiefele, 29.10.2011



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