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Frédéric Chopin

Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58, Polonaise Nr. 7, Ballade Nr. 4, Andante spianato & Grande Polonaise op. 22

Ingolf Wunder

DG/Universal 4779634
(68 Min., 2/2011)

Ingolf Wunder war der Liebling des Warschauer Publikums, und wer sich die Mitschnitte des letzten Chopin-Wettbewerbs anhörte, begegnete einen allen Manierismen ausweichenden, geerdeten jungen Pianisten. Als er hinter der bemitleidenswert mittelmäßigen Siegerin Avdeeva nur Zweiter wurde, hatte die Musikwelt ihr Skandälchen. Sein DG-Debut verrät, dass sich der folgende Erwartungsdruck doch erheblich auf die Brust des Pianisten gelegt hat. Neigt der Kopfsatz der h-Moll-Sonate schon im ersten Thema zur Statik, verlieren sich die letzten Reste sonatenhaften Entwicklungsdenkens im Banne der unendlichen Melodien der Belcanto-Episoden. Sich hier dem Schönklang hinzugeben und zu erliegen, mag verzeihlich sein – kaum mehr jedoch, dem Finale jegliche packende Zuspitzung zu entziehen.
Der Hang zur sonor-selbstgewissen Verwaltung des Materials, das keine Richtung zu kennen scheint, prägt auch die f-Moll-Ballade. Schon das von eigentümlichen Atemstockungen gezeichnete Thema scheint nicht voran zu wollen. Ein sich seiner Solidität vielleicht allzu sicheres Spiel treibt an den formalen Nahtstellen der Ballade einer gefährlichen Kraftlosigkeit entgegen, die versäumt, dramatisch-epische Kräfte herauszustellen und zu verdichten. So staut sich der Fluss des zweiten Themas in eigenartig toten, schattierungsarmen Wassern, die den irrwitzigen, kataraktischen Energien der Coda allenfalls träge entgegen strömen. Bei Wunder verebben die Takte vor den finalen Oktavgängen in geradezu phlegmatischem mezzoforte. Wo ist der jugendliche Elan geblieben?
Gewiss, das ist gediegenes, angenehm unprätentiöses Klavierspiel, doch interpretatorische Dringlichkeit geht ihm völlig ab. Da wird es Ingolf Wunder im Kreis jüngerer Interpreten nicht gerade einfach haben.

Matthias Kornemann, 29.10.2011



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