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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte F-Dur KV 459 und A-Dur KV 488; „Ch‘io mi scordi di te?“ ‒ „Non temer, amato bene“ (Rezitativ, Rondo und Allegretto KV 505)

Hélène Grimaud, Mojca Erdmann, Radoslaw Szulc, Kammerorchester des Symphonieorchesters des BR

DG/Universal 4779455
(65 Min., 5 & 7/2011)

Das Mozart-Bild, das Hélène Grimaud letztes Jahr in ihrer „Resonances“-Platte übermittelte, war ein romantisch aufwühlendes: Mozart ist der Französin „ein Extremist des Ausdrucks“. Bei der herb-düsteren a-Moll-Sonate, die sie zum dämonisch-getriebenen Selbstbekenntnis ihres Schöpfers forcierte, konnte man das noch akzeptieren bzw. zur Diskussion stellen, denn Mozarts persönliche Gestimmtheit nahm bekanntlich nur sehr bedingt Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen. Wie aber verhält es sich bei den unbeschwert-heiteren Klavierkonzerten KV 459 und 488? Das Adagio des letzteren ist in seinem seltenen fis-Moll selbstredend kein heiteres, sondern eines der tiefsinnigsten, schmerzvollsten überhaupt. Grimaud begreift es – ihrer romantischen Prädestination entsprechend ‒ als gähnenden Abgrund in Mozarts (sonst mit fröhlichen Masken bewohnter) Seelenlandschaft. Mit ihrem übermäßig gedehnten Tempo verzerrt sie den wiegenden Siciliano-Rhythmus zur konturenarmen, sentimenalen Wehklage. Umso krasser nimmt sich der Kontrast zu den Ecksätzen aus: Diese werden im Eiltempo nahezu als mechanisches Uhrwerk heruntergespult. Von Mozarts heiterer A-Dur-Grazie ist bei Madame Grimaud wenig zu spüren – wäre da nicht die Kammer-Abteilung der BR-Symphoniker, die Radoslaw Szulc fast zu einer Korrektur ihrer Solistin anhält, so hellhörig, dynamisch differenziert, mit viel Bläseranteil, wird hier musiziert. Dem F-Dur-Konzert, insbesondere dem mit einem Marschrhythmus unterlegten Anfangsallegro, kommt Grimauds forsche, technisch zweifellos brillante Art zugute. Aber auch das reicht nur für eine mittlere Platzierung im Aufnahmekatalog (um wieviel empfindsamer und farbiger gehen da beispielsweise Pollini oder Brendel zu Werke). Bleibt – gottlob – noch das Rezitativ-Arie-Duo KV 505, das Mozart 1787 für die Umarbeitung seines „Idomeneo“ schuf. Grimauds Idee, ihr Münchener Mozart-Album mit dem schon in der Klavier-Orchester-Besetzung ungewöhnlichen Bühnen-Minidrama zu kombinieren, ist so gelungen wie Mojca Erdmanns Idamante-Sopran klar, anmutig und anrührend in seinem Liebeskummer.

Christoph Braun, 12.11.2011



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