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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Johannes Brahms, Robert Schumann

Sonaten für Viola und Klavier op. 120, Märchenbilder op. 113

Rachel Roberts, Lars Vogt

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553181
(60 Min., 5/2010)

Man versteht sich, das ist ganz offensichtlich, nicht nur privat. Lars Vogt und seine Lebensgefährtin, die britische Bratschistin Rachel Roberts, demonstrieren ihre Verbundenheit nun auf einer CD, die man getrost eine kammermusikalische Sternstunde nennen kann. Brahms‘ Sonaten op. 120 und Schumanns „Märchenbilder“ benötigen, soll der „Geist“ dieser beiden Spätwerke eingefangen werden, weit mehr als nur eine technisch makellose Partnerschaft. Hier gilt es im Gleichklang zu empfinden, gemeinsam zu atmen und – es mag banal klingen – sich Zeit zu lassen: für diese (spät-)romantischen Empfindungen, die gleichermaßen aufwühlen und entsagen, drängen und resignieren, auftrumpfen und sich in intimste Seelenregionen verkriechen. Es ist schlichtweg beglückend, Roberts‘ Bratschengesang in Schumanns viertem seiner „Märchenbilder“ zu lauschen. Bei aller Sonorität pflegt die (ehemalige) Solobratschistin des Philharmonia Orchestra und des Dante-Streichquartetts einen schlanken, klar fokussierten Ton, der Schumanns Melancholie vor Weinerlichkeit bewahrt. Lars Vogt ist, wie nicht nur auf seinem Heimbacher Festival „Spannungen“ seit 13 Jahren zu hören ist, seit jeher ein bekennender Brahmsianer (der die beiden op. 120-Werke vor 9 Jahren bereits in der Original-Klarinettenfassung mit Sabine Meyer aufgenommen hat). Als solcher präsentiert er den gleichermaßen opulenten und verinnerlichten Klavierpart durchaus „pianistisch“ raumgreifend, mitunter – wie im ernsten es-Moll-Scherzo der zweiten Sonate – auch etwas dominant gegenüber seiner Partnerin (deren Bratschenfassung per se schon zurückhaltender klingt als die Klarinettenversion). Das hindert das Duo aber nicht daran, mit wunderbar ausgeklügelten Schattierungen und vollendet synchroner rhythmischer Finesse aufzuwarten. Und uns einen Spätherbst-Brahms mit erlesenem, unsentimentalem Tiefgang aufzutischen.

Christoph Braun, 26.11.2011



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