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Claude Debussy, César Franck, Francis Poulenc

Sonaten für Cello und Klavier

Daniel Müller-Schott, Robert Kulek

EMI 5 75201 2
(71 Min., 11/2001) 1 CD

Als Debussy seine letzten drei Sonaten schrieb, nach 1915, nannte er sich einen "wandelnden Leichnam", ausgezehrt von unheilbarer Krebserkrankung, und an seinem Land fraß der Stellungskrieg. An der Sonate für Cello und Klavier ist nichts Gefälliges. Dies ist eine Musik des Rückzugs und der Bitternis.
Ein junger Cellist, der sein Debüt-Programm damit beginnt, muss sich seines Künstlertums ausgesprochen sicher sein. Der sechsundzwanzigjährige Deutsche Daniel Müller-Schott macht klanglich keinen Gefälligkeits-Kompromiss. Die lind-impressionistischen Reminiszenzen, Andeutungen nur, geraten herb, die Thema-Verspieltheiten des Finales schneidend und sarkastisch.
Diese Kunst wirkt nicht beim ersten Hören, und das gilt auch für Poulencs große Cellosonate, ein glänzendes Vexierspiel der Idiome. Weder Hörer noch Interpreten können sich festhalten im Eindeutigen. Scheinen emotionale Momente auf, Erinnerungen an spätromantisches Weben der Jahrhundertwende, wischt Poulenc sie ironisch fort mit einer ruppigen Prokofjewschen Geste. Behutsam fangen Müller-Schott und Robert Kulek solche flüchtigen Episoden ein in der herrlichen Cavatina, Augenblicke größter Zartheit und heikelster Klangbalance (großartig hier: der Pianist Robert Kulek!) nach dem bewegenden choralhaften Wiedererscheinen des Hauptthemas.
Schließlich Francks A-Dur-Sonate. Selbst wer die Cello-Transkription der Violinsonate nicht mag, wird zugeben müssen, dass hier eindringlich musiziert wird. Mögen die ersten beiden Sätze noch von alleine laufen, spätestens im dritten Satz "Recitiativo - Fantasia" lassen Francks immer wieder abschweifende Träumereien viele Interpreten abfallen. Ohne einen einzigen pseudo-bedeutungsvollen Drücker, mit fast altersweiser klanglicher Reserve das pathetische Largamente-Thema im Mezzoforte zügelnd, fügen Müller-Schott und Kulek diese zerstreuten Reflexionen zusammen. Das ist das Spiel reifer Kammermusiker, die sich mit einem so unbequemen Programm den zeitgemäßen Forderungen nach dem Angenehmen, Mühelosen nicht beugen wollen.

Matthias Kornemann, 08.08.2002



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