Claude Debussy

Images, Children's Corner, Préludes u. a.

Noël Lee (Klavier)

Naïve/Harmonia Mundi AVT 1001
(6/1971, 10/1971) 2 CDs

Der Komponist und Pianist Noël Lee - seit 1948 Amerikaner in Paris - hat vor gut dreißig Jahren das gesamte Klavierwerk von Claude Debussy aufgenommen. Eine Auswahl daraus wird jetzt in der neuen Mid-Price-Serie "tête à tête" der französischen Firma Naïve wiederveröffentlicht. Mid Price bedeutet in diesem Fall auch, dass zu den zwei CDs kein Heftchen beiliegt, sondern nähere Informationen unter der Internet-Adresse der Firma (www.naiveclassique.com) abgefragt werden können. So soll es jedenfalls demnächst sein.
      Noël Lees Einspielung ist pianistisch und interpretatorisch ausgereift, ja in den Stücken, wo es angebracht ist - wie "Reflets dans l'eau" und "Feux d'artifice" - sogar ausgesprochen virtuos. Sicher gibt es Aufnahmen, die mehr Wert auf den perfekten impressionistischen Klangeindruck legen, doch Lees Interpretation hat demgegenüber den Vorteil, sich besonders um die polyfonen Ansätze in Debussys Werk zu kümmern. Seine Spielweise zeugt aber auch von einer gewissen Zurückhaltung, etwa wenn der Fortissimo-Höhepunkt der "Hommage à Rameau" ("Images I") immer im Rahmen einer kontrollierten Grenze bleibt und keinen Ausbruch aus dem Kontext bildet. Stellenweise spielt Lee sogar ganz sachlich-nüchtern, in "Children's Corner" besonders in der "Serenade for the doll".
Die Aufnahmequalität dieser CDs ist leider nicht ganz auf dem Stand der Technik - auch nicht der analogen von 1971, denn an lauten Stellen hört man Verzerrungen, als ob sich bei einem Plattenspieler schon einige Staubflusen an der Nadel angesammelt hätten und nun mal entfernt werden müssten. Zweites Manko: Bei den Aufnahmesitzungen wurde offenbar der Klavierstimmer eingespart, denn besonders in den hohen Lagen ist der säuerliche Klang einzelner verstimmter Saiten nicht zu überhören.

Matthias Reisner, 07.11.2002



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