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Michel Pignolet de Montéclair

Six concerts à deux flûtes traversières sans basses

Marie-Céline Labbé, Marion Treupel-Franck

Ramée/Note 1 RAM 1102
(107 Min., 11/2009) 2 CDs

Es ist schon mutig, sich beim Debüt als Duo mit der Gesamteinspielung einer so wenig bekannten Werksammlung wie den Konzerten für zwei Traversflöten ohne Bass von Michel Pignolet de Montéclair (1667-1737) an die Öffentlichkeit zu wagen. Doch der Mut hat sich gelohnt: Montéclair, der auch Mitglied der Königlichen Akademie für Musik, Kontrabassist und Lehrer der Tochter François Couperins war, veröffentlichte zwar wenig, beherrschte aber die musikalischen Idiome und Gattungen seiner Zeit meisterhaft – und seine aus Suiten von oft nur eine oder zwei Minuten dauernden Miniaturen bestehenden Konzerte reflektieren diese Vielfalt auf konzentrierte Weise: Hingehauchte Modetänze, mal im getragenen französischen, mal im verspielteren italienischen Stil, träumerische Sarabanden, getupfte Fugen und ab und zu auch Charakterstücke mit zwitschernden Vögeln und kecken Fliegen wechseln sich ab. Knapper und weniger klangspielerisch als die Flötenduette eines Telemann gehalten, sind diese Stücke dabei ganz als intime Gespräche zwischen den Partnern konzipiert, wobei die zahlreichen Imitationen und Stimmenwechsel auch dazu dienten, die Kunst des geschmackvollen Vortrags im Dialog vom Lehrer an den Meisterschüler weiterzugeben. Dass man wie in einem Sog in diese intime Kommunikation hineingezogen wird, ist das Verdienst von Marie-Céline Labbé und Marion Treupel-Franck: Mit buchstäblich langem Atem, Gelassenheit, Stilsicherheit und einer Feinheit des Ausdrucks, die alle vordergründigen Effekte scheut, lassen sie den Zuhörer an der selbstvergessenen Atmosphäre konzentrierter und doch ruhiger gegenseitiger Aufmerksamkeit teilhaben und die Zeit für gute 100 Minuten stillstehen.

Carsten Niemann, 24.12.2011



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