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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Vol. 1

François-Frédéric Guy

Zig-Zag Territoires/Note 1 ZZT111101
(205 Min., 12/2009, 4/2010, 12/2010, 4/2011) 3 CDs, live

Dieser erste Teil eines live mitgeschnittenen Beethovenzyklus macht den Rezensenten sehr, sehr ratlos. Wie ist es möglich, dass François-Frédéric Guy in der frühen, langen und schwer fasslichen Sonate Opus 7 zu einer solchen Vollendung gelangt, das Largo bis in solche Tiefen ergründet und klanglich auskleidet (der Augenblick, in dem die Durchführung zerbricht, ist ein Wunder!), die entscheidenden Momente des Finales wie die E-Dur-Entrückung und den brutalen Ruck zurück in die schließende Es-Dur-Welt so sicher einfängt – um in anderen Werken auf das Niveau eines bescheidenen Klassenabends zu fallen, unkontrolliert, rhythmisch verschleifend und ideenlos?
Nicht wenige Sonaten kennen immerhin schlüssige Momente; so ist das Finale des Opus 27/1 kraftvoll durchformt. Aber was hilft es? Der Satz schwebt für sich, als sei er austauschbar und einer andren Sonate einzufügen. Und damit ist das Entscheidende verloren. Über kleine Unvollkommenheiten kann man hinwegsehen. Doch dass ein Beethoven-Interpret den unumkehrbaren Weg eines Sonatendramas quasi außer Kraft setzt, ist fatal. Das Finale dieser Es-Dur-Sonate ist nun einmal das Erzeugnis eines langen Prozesses vom kindlich-phantastischen Zerflattern zur kernigen Festigkeit. Guy vermag diesen weiten Bogen nicht zu spannen.
Geradezu desaströs ist die große D-Dur-Sonate op. 10/3 ausgefallen. Das Largo e mesto so zu spielen, dass verstörende Augenblicke wie die ffp- Blitzschläge kurz vor dem Beginn des düsteren 32-tel-Rauschens in nocturnehaften Samtklang sinken, ist schon wieder eine Leistung. Wer sich allerdings in dieser zerfetzten El-Greco-Landschaft so deutlich gegen Beethovens kaum zu überlesenden Willen stellt, dessen Entwurf sollte über plüschige Unverbindlichkeit hinausgehen können. Warum hat sich Guy der „32“ angenommen? Einzelne erstaunliche Juwelen glänzen heraus, doch wohin er will mit dem Zyklus, ich weiß es nicht.

Matthias Kornemann, 07.01.2012



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