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Wonderland

Tomas Sauter, Daniel Schläppi, Jorge Rossy

Catwalk/harmonia mundi CW 110009-2
(55 Min., 1&11/2010)

Aller guten Dinge sind drei. Offenbar lautete so der Vorsatz des Schweizer Gitarristen Tomas Sauter für 2011. Drei CDs hat er in diesem Jahr herausgebracht – und die letzte ist so etwas die Krönung seiner ungewöhnlichen Veröffentlichungstaktik.
„Wonderland“ zieht gewissermaßen die Summe aus den beiden vorangegangenen Sauter-CDs in diesem Kalenderjahr. Zeigte sich der Eidgenosse auf der Einspielung „Findling“ noch als Klangforscher mit Sinn für Loops, Resonanzfilter und Ringmodulatoren, so schlug er mit der feinnervigen Duo-Aufnahme „First Day In Spring“ den Weg ein, der direkt zu „Wonderland“ führt.
Hier wie da ist Kontrabassist Daniel Schläppi der verlässliche Komplize des wandlungsfähigen Gitarristen. Hinzu kommt nun Schlagzeuger Jorge Rossy, der für die Trio-Konstellation als langjähriger Partner von Brad Mehldau bestens qualifiziert ist.
Sauter, Schläppi und Rossy durchmessen bei ihrem Trip durchs Wunderland die verschiedensten Gefilde. Swingender, melodiös eigenständiger Gitarren-Trio-Postbop gehört zum Exkursionsgebiet genauso wie der akustische Kammerjazz eines Ralph Towner, vor Jimi Hendrix wird sich mit flirrenden Flageoletts verbeugt, und sogar John Coltrane erfährt mit einer höchst eigenständigen Bearbeitung von „Giant Steps“ eine Huldigung.
Das größte Wunder ist aber, wie selbstlos sich die drei Instrumentalisten in den Dienst der Musik stellen. Die mag harmonisch und metrisch stellenweise höchst komplex sein – aber das Ergebnis ist kein Eierkopfjazz, sondern ein betörend leichtfüßiger Tanz durch die Genres.

Josef Engels, 07.01.2012



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