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Claude Debussy

Images, Études

Pierre-Laurent Aimard

Teldec/Warner 8573 83940-2
(75 Min., 7/2002) 1 CD

Hätte der Fotograf eine Sekunde gewartet, wäre Pierre-Laurent Aimard schon nicht mehr zu sehen. Auf dem Cover dieser CD erscheint er als einer, der die Szene verlässt. Eine Haltung, die bezeichnend ist für die hier vorgelegten Debussy-Interpretationen des französischen Pianisten. Aimard drängt sich nicht vor. Wie auf dem Foto, hält er sich gleichsam am Bildrand der Stücke auf, um den Blick auf Farben und Formen nicht zu behindern.
Aimard spielt hoch transparent, mit wenig Pedal, sein heller Klang ist selbst bei größter Fortissimo-Klangmassierung licht und schlank; sein instinktsicherer, an Messiaen und Boulez geschulter Umgang mit Klangfarben wirkt nie gesucht. Das Spiel ist von erfrischender Nüchternheit, wie kühles, klares Wasser; in seiner unangestrengten Gelöstheit und Präzision erinnert es an Walter Gieseking.
Deutlicher noch als in den Images wird all dies in den Études, zumal im Vergleich mit der Einspielung Mitsuko Uchidas. Ihre drängend impulsive Deutung mag zunächst spannender wirken als die Aimards, weil Uchida an die Musik heranzoomt, als wolle sie uns die Stücke im Close-Up zeigen. Auf die Dauer wirkt das fast etwas aufdringlich. Aimard beobachtet das Geschehen aus einer Halbdistanz, beweist den größeren Formsinn, der ihn die Spannungsbögen der Etüden souverän entwickeln lässt.
Debussy meinte einmal, dass seine Études Chopin ebensoviel verdanken wie Couperin. Aimard spielt die Stücke eher im Geiste des Letzteren. Dass ihm so ein Debussy für das 21. Jahrhundert gelingt, ist das Beglückende dieser Aufnahme.

Christian Möller, 18.10.2003



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