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Dmitri Schostakowitsch

Das neue Babylon

Basel Sinfonietta, Mark Fitz-Gerald

Naxos, 857282425
(91 Min., 5/2011) 2 CDs

Es ist ein Jammer, dass viele der besten Filmmusikeinspielungen nur auf CD erscheinen. Aber warum jammern, wo man zu allererst loben sollte. Denn obwohl der 1929 gedrehte Stummfilmklassiker von Leonid Kosinzew und Leonid Trauberg über den Fall der Pariser Kommune erst vor wenigen Jahren erstmals in einer nach dem Originalmanuskript rekonstruierten Fassung auf DVD erschienen ist (absolut medien, ISBN 978-3-89848-862-4), bringt die auf dem gleichen Manuskript basierende CD-Einspielung der basel sinfonietta eine wichtige Ergänzung zu dieser Pioniertat. Entscheidend ist dabei nicht so sehr, dass die Fassung den vollständigen „Directors Cut“ der Musik bietet, sondern, dass sich der Dirigent Mark Fitz-Gerald dafür entschieden hat, die Musik in einer kammerorchestralen Besetzung mit nur fünf Solostreichern zu präsentieren – so, wie sie in den russischen Kinosälen erklang. Das Resultat ist ein wendigerer, expressionistisch-karikaturistischerer Klang, der sich deutlich vom sinfonisch aufgeblähten Hollywoodsound späterer Zeiten unterscheidet. Hinzu kommt, dass Fitz-Geralds Lesart noch etwas mehr Biss und genau die dramatische Zuspitzung liefert, die Frank Strobels Ersteinspielung mit dem SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern noch fehlte. Passagen wie etwa die großartige Verbindung von Marseillaise und Can-Can ergeben Dank Schostakowitschs musikalischer Logik auch ohne Bild Sinn; wer es sich leisten kann, sollte sich trotzdem das Vergnügen gönnen, zunächst die DVD-Ersteinspielung zur Kenntnis zu nehmen, um den Film zu den Klängen der auch wegen des ausführlichen Beihefts sehr empfehlenswerten CD nochmals im Kopf Revue passieren zu lassen.

Carsten Niemann, 28.01.2012



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