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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



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Ernest Bloch

Landscapes – Musik für Streichquartett

Galatea Quartet

BMG/Sony 88697-950242
(62 Min., 6/2011)

Ein bewegtes Leben zwischen der Alten und der Neuen Welt, überschattet vom Antisemitismus: Der 1880 in Genf als Sohn eines Uhrmachers geborene Ernest Bloch sog zunächst die verschiedenen musikalischen Strömungen seiner Zeit begierig auf. Violinstudien u.a. bei Eugène Ysayë in Brüssel brachten ihm vor allem die auf César Franck basierende französische Stilistik nahe, aber auch Debussys Schaffen beeinflusste ihn. Später, in Deutschland, gehörten Ludwig Thuille zu seinen Kompositionslehrern, Richard Wagner und Richard Strauss weckten seine Faszination. Auch jüdische Musik übte einen bedeutenden Einfluss auf Blochs kompositorisches Schaffen aus. Bald begann er selbst zu unterrichten, Ernest Ansermet gehörte in Genf zu seinen Schülern. Schon während des Ersten Weltkrieges kehrte er Europa den Rücken und ließ sich für längere Zeit in Amerika nieder, wo er u.a. auch als Orchesterleiter erfolgreich war. In den 30er Jahren wurde wieder die Schweiz sein Lebensmittelpunkt, aber der stärker werdende europäische Antisemitismus trieb ihn nach Amerika zurück. Er starb 1959 in Oregon.
Das in Zürich beheimatete „Galatea Quartet“ bietet mit einer Auswahl von Blochs Streichquartett-Kompositionen gleichzeitig auch einen Überblick über die stilistische Vielfalt seiner Musik: satte Spätromantik im „Prayer“ (aus „From Jewish Life“) von 1923, das Julien Kilchenmann, der Cellist des „Galatea Quartet“, für Cello-Solo und Streichquartett bearbeitete. Anklänge an Samuel Barber in den wundervollen „Landscapes“, entstanden ebenfalls 1923 in Cleveland. Maßvoll erweiterte Tonalität mit angereicherten Dur- und Molldreiklängen in den „Deux pièces“ von 1938 und 1950, und Haydnsche Spritzigkeit im Streichquartett G-Dur aus dem Jahre 1896, geschrieben von einem hochbegabten Teenager, der schon hier keine Stilkopie liefert, sondern sich vor klassizistischem Hintergrund immer wieder kleine Extravaganzen erlaubt. Überraschend ist in der Tat die Vielfalt dieses Œuvres, überzeugend ist dabei die durchgehend wahrnehmbare handwerkliche Meisterschaft. Ernest Bloch, dessen Musik vom „Galatea Quartet“ schlichtweg vollkommen dargeboten wird, gehört ohne Zweifel zu den großen Vergessenen einer bewegten Epoche, deren infernalische Kriegskatastrophen tragischer Weise so viel Hochqualifiziertes unter die Räder kommen ließen, das sonst eine ganz andere Wirkungsgeschichte hätte zeitigen können. Dank an das „Galatea Quartet“ für die nachdrückliche Erinnerung an diesen bedeutenden Schweizer.

Michael Wersin, 04.02.2012



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