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Mauricio Kagel

Süden (Dokumentation)

Mauricio Kagel, Ensemble Süden, Schönberg Ensemble u.a.

Kairos/harmonia mundi KAI 0013172
(67 Min., 2006)

Selbst zum Schluss, als er bereits gesundheitlich angeschlagen war, konnte es aus ihm herausbrechen: Dieses aus tiefer Kehle emporschnellende Lachen, das sofort jeden Raum ausfüllte und jeden Saal erbeben ließ. Aber nicht nur mit seinem ausgeprägten Humor unterschied sich Mauricio Kagel von vielen in der zeitgenössischen Musikszene. Als Mensch und als Komponist war er – wie vielleicht nur noch der Amerikaner John Cage – das genaue Gegenteil von nahezu all den Komponistenkollegen, die sich allzu selbstgewiss mit dem gaben, was sie taten. Ganz anders der gebürtige Argentinier und Nachfahre von deutsch-östjüdischen Emigranten. Für Kagel gab es nie nur „den“ einen Blick- bzw. Hörwinkel. Und weil er eben vom produktiven Zweifel regelrecht besessen war, stellte er mit seinen über 200 Werken und zumeist musiktheatralischen Eulenspiegelfechtereien dem Ohr lieber ein Bein.
Kein Wunder, dass viel gelacht wurde bei den Konzertproben, die 2006 in Buenos Aires stattfanden, zwei Jahre vor seinem Tod, als Kagel zu einer ihm gewidmeten Konzertreihe in seine Heimatstadt eingeladen wurde, die er in den 1950er Jahren verlassen hatte, um sich in Köln niederzulassen. Und mit an seiner Seite war Regisseur Gastón Solnicki, dem mit der Film-Dokumentation „Süden“ zugleich ein anrührendes Porträt gelungen ist. Denn Kagel genoss es nicht nur, wie ein verlorener Sohn von alten Freunden und jungen Bewunderern empfangen zu werden. Bei einer kleinen Rede, die er als Dirigent vor dem Ensemble Süden hielt, schien dieser so freundliche, nun aber so ergriffene Jahrhundertkomponist fast mit den Tränen zu kämpfen. Ausschnitte u.a. aus seinen Zyklen „Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen“ und „Die Stücke der Windrose“ komplettieren diese sehens- und dank Kagels omnipräsenter Erzählerstimme hörenswerte Hommage.

Guido Fischer, 11.02.2012



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