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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Franz Schubert, Robert Schumann, Hugo Wolf, Henri Duparc, Maurice Ravel, Claude Debussy

Lieder

Barry McDaniel, Hertha Klust, Aribert Reimann, Eberhard Finke, Karlheinz Zoeller

Audite/Edel 1023426ADT
(136 Min., 1/1963, 2/1964, 3/1966, 2/1965, 6/1973 & 3/1974)

Barry McDaniel: ein Name, den mancher „Überlebende“ aus der Schallplatten-Ära noch als Aufdruck auf der einen oder anderen Papphülle jener schwarzen Scheiben in Erinnerung haben mag. Dem Autor selbst, in jungen Jahren ein glühender Fischer-Dieskau-Fan, ruft der Name des in Kansas geborenen Baritons gleichwohl gute, angenehme Erinnerungen ins Gedächtnis – das will etwas heißen. Das vorliegende Doppelalbum nun bestätigt diese vage Reminiszenz: Präsentiert werden knapp 140 Minuten bisher unveröffentlichter Liedaufnahmen, die der heute 81-Jährige mit Hertha Klust bzw. Aribert Reimann als Begleiter zwischen 1963 und 1974 für den SFB gemacht hat. Schubert, Schumann und Wolf, aber auch Duparc, Ravel und Debussy hat McDaniel ausgesprochen stimmschön und in puncto Interpretation ebenso sorgsam wie inspiriert eingespielt. Der eröffnende „Winterabend“ von Schubert ist eine Piano-Studie von erstaunlicher Delikatesse; in Wolfs „Heimweh“ kommt zusätzlich zu den erstklassigen Voix-mixte-Qualitäten auch eine volle, warme, wohlklingende Tiefe zum Vorschein. Wolfs launiger „Abschied“ nach Mörike – die Geschichte vom unfreiwilligen Treppensturz eines Kritikers im Haus des Dichters nach seinem ätzenden Auftritt in der Wohnung desselben – offenbart, dass der Amerikaner das deutsche Idiom (mit dem er durchgehend überaus souverän umgeht) auch bis in die letzte Nuance hintersinniger Humorigkeit beherrscht. Was McDaniel etwa in Duparcs hochsensiblen Gesängen an französischer Eleganz und idiomatischer Treffsicherheit schuldig bleibt, ersetzt er dem Hörer bei den Schumann-Liedern u.a. auf der Ausdrucksebene: Faszinierend ist z.B. die sprachlich-klangliche Intensität, mit der das schwierige „Mein Herz ist schwer!“ nach Byron (aus den „Myrthen“) zum Leben erweckt wird. Alles in allem ist dieses herzerwärmende Album also eine große Bereicherung im Bereich historische Liedinterpretation; einmal mehr wird klar, dass in den Rundfunkarchiven noch Schätze schlummern, deren allmähliches Wiederauftauchen die Interpretationsgeschichte des 20. Jahrhunderts noch nachhaltig zu beeinflussen geeignet sind.

Michael Wersin, 18.02.2012



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