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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Antonín Dvořák, Camille Saint-Saëns

Cellokonzert h-Moll op. 104, Suite für Cello und Orchester op. 16, Romanze op. 36

Maximilian Hornung, Sebastian Tewinkel, Bamberger Symphoniker

Sony 88697 749252
(64 Min., 11/2010)

Sicher muss nicht jeder, der romantische Gefilde betritt, ein verletzlicher, einsamer „Byronic Hero“ sein oder wie Caspar David Friedrichs Wanderer melancholisch übers Nebelmeer blicken. Aber wenn einer derart jungenhaft-unbekümmert auf dem Cover lacht wie Maximilian Hornung, dann fällt einem doch schwer, an Saint-Saëns‘ Celloschaffen, geschweige denn Dvořáks h-Moll-Klassiker zu denken. Vielleicht will man bei Sony partout – komme, was da wolle an künftigem Repertoire – am „Jump“-Image festhalten, mit dem der ECHO-preisgekrönte Solocellist der BR-Symphoniker in seinem Debut-Album letztes Jahr ein kräftiges Ausrufungszeichen setzte? Nicht dass es der ersten orchestral-konzertanten Platte des Schwabenbayers an forsch-frischer Kost fehlen würde: Bekanntlich bietet Dvořáks mit reichlich böhmischem Tanzkolorit aufwartendes Schlussallegro genug schmissige Qualitäten, und auch Saint-Saëns‘ Suite op. 16 (in der Orchesterfassung von 1919) ist mit ihrer ‚Funiculi-funicula‘-Tarantella kein Kind von Traurigkeit. Schließlich könnte man, wenn es nicht zu klischeehaft klänge, auch und gerade Hornungs Celloton jung-dynamisch nennen: Schlank und sehnig ist er, intensiv leuchtend, ohne in tiefschürfendes Vibrato-„Orgeln“ oder enervierende Nasal-Bohrungen zu verfallen. Doch eine solch konzentrierte Anmut hat bei Dvořák ein „Problem“. Dessen Publikumsrenner ist nicht zuletzt ein orchestraler – mit anderen Worten: Der Solist muss den orchestralen Trümpfen Paroli bieten.
Muss er wirklich? Wer die Jahrhundert-Maßstäbe eines Feuermann, Casals, Starker oder Rostropowitsch anlegt, der kommt nicht umhin, Hornung auf die Plätze zu verweisen. Man kann es aber auch positiv wenden: Anstatt einen verbissenen (und mitunter egomanen) Kampf gegen die blendenden Tutti zu fechten, erlebt man bei Hornung eher den Primus inter pares. Dazu gehören natürlich – was hier bei den Bamberger Symphonikern der Fall ist – höchst aufmerksame, dem Solisten verpflichtete Orchesterkollegen und eine Aufnahmetechnik, die dem Gleichgewicht Rechnung trägt – was keinesfalls üblich ist. So erfährt das böhmische Schlachtross vielleicht nicht gerade eine „existentielle“, aber eine im besten Sinne „moderne“ Deutung, die einem 25-jährigen wahrlich gut ansteht. Bleibt die Programmfrage, warum nach dem Dvořák-Rausschmeißer noch eine dreiminütige Saint-Saëns-Romanze angehängt wurde. Dass Hornung betörend singen kann, das konnte man schon vorher ausgiebig genießen.

Christoph Braun, 18.02.2012



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