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Otto Klemperer – RIAS Recordings

Otto Klemperer, RIAS Symphonieorchester Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Hans-Erich Riebensahm, Elfride Trötschel

Audite/Edel 1021408ADT
(329 Min., 1950-1958) 5 CDs

„Personenhaft wie unpersönlich“ nannte Ernst Bloch, der jahrzehntelange Freund, einmal den „Werkdienst“ von Otto Klemperer. Der Philosoph meinte damit Klemperers Bekenntnis zur klaren Ausdeutung im Sinne objektiven Musizierens. Und immerhin sollte gar später Nikolaus Harnoncourt Bloch recht geben, indem er Klemperers Einspielung von Bachs h-Moll-Messe aus dem Jahr 1968 über den grünen Klee lobte. Andererseits gab es gerade beim späten Klemperer (er starb 1973 mit 88 Jahren) Züge des Monumentalen, die heute befremdlich anmuten. Als Klemperer nach seiner Rückkehr aus der erzwungenen Emigration 1950 sein erstes Konzert beim Berliner RIAS-Symphonie-Orchester gab, war er immerhin auch schon 65 Jahre alt. Aber was er bis 1958 als Gastdirigent aufs Programm setzte – seine zwingende Kraft, seine Strenge und Größe schlägt nahezu in allen Werken von Mozart, Beethoven, Mahler und Hindemith durch.
Die in der 5 CD-Box vereinten Aufnahmen sind jetzt allesamt erstmals zugänglich gemacht worden. Und wieder haben die Tontechniker des auf historische Klangtrüffel spezialisierten Labels ganze Arbeit geleistet, um Klemperers Modernität Kontur zu geben. Die Beethoven-Sinfonien Nr. 2, 3 & 6 lässt er fernab aller romantischen Struktur-Verflüssigungen aus sich heraus sprechen. Unter den drei Mozart-Sinfonien sticht besonders die bedingungslos durchleuchtete „Prager“ heraus. Und auch die „Don Giovanni“-Ouvertüre besitzt bereits Anflüge jenes verstörend existenziellen Tons, den Klemperer 1966 in seiner berühmten Gesamteinspielung potenzieren sollte. Zwei Aufnahmen fallen dennoch aus diesem Klemperer-Kosmos heraus. Fast jazzig ging er 1954 zusammen mit Pianist Hans-Erich Riebensahm den Finalsatz von Beethovens 3. Klavierkonzert an. Und Mahlers 4. Sinfonie zeigt bei aller Klarheit und unprätentiösen Deutung, dass Klemperer doch zur einnehmenden Wärme fähig war. Leider nur hatte er mit Sopranistin Elfride Trötschel nicht gerade das große Los gezogen.

Guido Fischer, 18.02.2012



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