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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Claude Debussy, Sergei Prokofjew, Benjamin Britten

Cello-Sonaten

Claudio Bohórquez, Markus Groh

Berlin Classics/Edel 001783BC
(55 Min., 8/2005) 1 CD

Mit seiner langen Mähne und dem einnehmenden Lächeln könnte er glatt als Latin-Pop-Lover durchgehen. Doch auch wenn in den Adern von Claudio Bohórquez peruanisch-uruguayanisches Blut fließt, fangen bei ihm weder die Cellosaiten zu glühen noch seine Finger an zu schwitzen an. Bohórquez' Spiel zeichnet vielmehr eine Konzentration aus, bei der Oberflächenglanz oder süffige Kantilenen keine Chancen haben. Dass Bohórquez über eine imponierend musikalisch-instrumentale Versiertheit verfügt, ist ein eigentlich kaum erwähnenswerter Bonuspunkt. Und dennoch bewegt er sich oftmals in den drei Cello-Sonaten, die zu den geläufigsten der klassischen Moderne zählen, im Bereich des allzu Ungefähren. Schon gleich Claude Debussys Sonate von 1915 lebt von einer Routine, die bis zu dem gewaltigen Höhepunktakkord des Finalsatzes einfach keine Verve und schon gar keine Spannung aufkommen lässt. Woran jedoch auch Markus Groh eine gewisse Teilschuld mitträgt, weil er nichts wagen will. Der Prolog besitzt dagegen wieder eine stoffliche Fülle, die aus sich heraus lebt und bei der sich Bohórquez' "sachliches" Musizierverständnis auszahlt.
Bei der Prokofjew-Sonate will man immerhin nicht mehr herausholen, als tatsächlich nur drinsteckt. Die diabolische Schärfe und den wilden Marschcharakter hat Prokofjew schließlich hier so abgemildert, dass jede übermäßige Gewaltkur einfach Fehl am Platze wäre. Und die Sonate op. 65 von Benjamin Britten nehmen Bohórquez/Groh mit einer glanzfilternden Präzision, die aber zumindest im "Marcia. Energico" für erstaunliche Momente sorgt: wenn Bohórquez allein die Glissandi fantastisch gespenstisch und hauchdünn nach oben schleudert. Für so einen Cellisten sind solche Fingerabdrücke aber dann doch zu wenig.

Guido Fischer, 13.05.2006



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