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Richard Wagner, Arnold Schönberg

Tristan-Vorspiel, Pelleas und Melisande

Gustav Mahler Jugendorchester, Pierre Boulez

DG/Universal 477 9347
(51 Min., 4/2003)

Vor zehn Jahren gab es diese Komponistenkombination schon einmal bei dem Traditionslabel. Damals stellte Christian Thielemann Schönbergs „Pelleas und Melisande“ Wagners „Siegfried-Idyll“ zur Seite. Dramaturgisch wie auch von den klanglichen Dimensionen her war diese Zusammenstellung nicht gerade plausibel, wenn man einmal von Schönbergs grundsätzlichem Faible für Wagner absieht. Pierre Boulez bewies dagegen 2003 ein sicheres Händchen. Als er für das in Tokyo aufgezeichnete Live-Konzert dem sinfonischen Untergangsliebesdrama von Schönberg das Vorspiel zu Wagners „Tristan und Isolde“ vorausschickte. Zwei Pärchen also im musikalischen Treibhaus der Gefühle. Doch natürlich achtete Pierre Boulez streng darauf, dass da die Emotionen nicht allzu hochkochen.
Direkt bei Wagner verlangt Boulez dem Gustav Mahler Jugendorchester alles ab, was die Versinnbildlichung des steten Flusses bei gleichzeitiger Aufmerksamkeit für die Abtönungen und Schattierungen anbelangt. Und selbstverständlich wird jede Notenpore vom Geist der Moderne so aufgeladen, dass man zwangsläufig Schönbergs epochale 1. Kammersinfonie mithören muss. Wie nahtlos der Weg vom späten 19. Jahrhundert ins frühe 20. Jahrhundert vonstatten ging, ist dann in der zum Taumeln und Schwelgen verlockenden Sinfonischen Dichtung „Pelleas und Melisande“ zu erleben. Aus der 1902 komponierten Partitur macht Boulez nun lebendige Musikgeschichte, wenn er den Einfluss von Richard Strauss („Sehr rasch“), Gustav Mahler („Langsam“ sowie „Ein wenig bewegter“) und nicht zuletzt Wagner („Ein wenig bewegt“) ungemein deutlich, aber stets organisch herausschält. Und auch hier erweist sich das Jugendorchester dank seiner differenzierten Durchformung und seines sensiblen Klanggespürs auf dem Niveau eines professionellen Spitzenorchesters.

Guido Fischer, 24.03.2012



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