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Come Sunday

Charlie Haden, Hank Jones

Emarcy/Universal 2750368
(44 Min., 2010)

Wer eine solche Platte einspielt, braucht bei Petrus nicht lange um Einlass zu betteln. Charlie Haden und Hank Jones, der eine 73 und der andere 91, interpretierten Anfang 2010 Spirituals und andere sakrale Lieder derart andächtig, dass ihnen an der Himmelspforte ein Sonderbonus sicher sein sollte. Mit „Take My Hand, Precious Lord“ beginnt und mit Duke Ellingtons „Come Sunday“ endet der 14 Titel umfassende Reigen. Dazwischen gibt es mit dem Spiritual „Down By The Riverside“, „Give Me That Old Time Religion“ oder „Nearer My God To Thee“ – angeblich die letzte Melodie der Unterhaltungsband auf der untergehenden Titanic – einige bekannte Melodien. In trauter Zweisamkeit zelebrieren sie diese, dabei ständig die Aufgaben von Begleitung und Solo wechselnd und äußerst sparsam mit musikalischem Zierrat. Für Jones war dies eine der letzten seiner mehr als tausend Plattensessions. Er starb am 16. Mai 2010, rund drei Monate nach den Aufnahmen. Diese von Liebe und Weisheit erfüllte Musik ist ein herzerweichendes Dokument seiner Fähigkeit, im richtigen Moment die passenden Töne zu setzen. Sie könnte sogar den lieben Gott dazu verführen, sonntags in die Kirche zu gehen.

Werner Stiefele, 31.03.2012



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