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Claude Debussy

Images inédites, Estampes u.a.

Alain Planès

Harmonia Mundi HMC 901947.48
(5/2007) 2 CDs

Der Interpret liebt die Malerei; man kann es hören. Famos, mit welch feinem, nuanciertem, dabei klar gezogenem Strich er über die imaginäre Leinwand wandert. Das Glück will es überdies, dass er Stücke eines Komponisten vor sich hat, der das gleiche Verlangen, die gleiche Neigung besaß: "Ich liebe Bilder genauso wie die Musik", sagte Claude Debussy einmal. Nun kann man natürlich lange, allzu lange darüber sinnieren, wie stark oder weniger stark bildhaft die Musik des Franzosen ist: wie insinuativ in den klanglichen Valeurs. Man wird aus dieser Debatte nicht klüger heraus treten, als man es zuvor war. Wir empfehlen deswegen, sich diese Aufnahme in aller hedonistischen Ruhe zu Gemüte zu führen, um zweierlei zu bemerken: Debussy war kein Impressionist, definitiv nicht, ein für alle Mal sei dies nun behauptet, erklärt – und hoffentlich auch geklärt! Debussy war lediglich ein Komponist, der die Lebenswelten, die er musikalisch abbildete, intuitiv in Klänge formte, die suggestives Charisma ausatmen, mit anderen Worten: Man kann und will sich etwas dabei vorstellen. Wichtig ist nur, dass es nicht unbedingt das sein muss, was der Titel suggeriert. Dies ist das Eine. Das Andere betrifft die Kompositionen selbst und die Art, wie sie von Alain Planès gespielt werden. Endlich hören wir Debussy einmal nicht aus der Perspektive seiner Zeit (samt den subjektivistischen Sentimentalitäten und habituellen Halbwahrheiten, die damit verbunden sind, kurz: den Klischees), sondern aus der geweiteten Perspektive eines Pianisten, der sich und seine Zeit sieht, den Komponisten, aber ebenso die Vorbilder der Klassik und Romantik, auf denen Debussys Ideenwelt letztlich fußt; vor allem die der Klassik. Nicht zufällig heißt eine Pièce, die man auf der zweiten CD vorfindet, "Hommage an Haydn". Planès gelingt es, die Klarsicht der Formulierung, die beinahe klassische Strenge der Artikulation in den Debussyklang hineinzumogeln und ihn dort fest zu verankern. Wo man Schwelgerei, Träumerei, Somnambules vermutet, hört man klar durchgestaltete, weitgespannte Linien, die quer über das gesamte Tastenfeld reichen. All dies ist ohne Attitüde musiziert, fast möchte man sagen: in ungewohnter Bescheidenheit und Demut vor dem Text. (Wobei Demut nicht mit Devotismus zu verwechseln sei.) Nein, da ist ein Pianist, der die Simplizität der Faktur, das nachgerade Infantile dieser zauberhaften Stücke, die deren Schöpfer wie im Falle der frühen "Images" für nicht veröffentlichungswürdig hielt, belässt und sie lediglich mit einem klangsensualistischen Können in die Welt hinaus begleitet. Und dass man dabei doch wieder ins Schwärmen gerät, in eine Sphäre des Bildhaften, dass man also Impressionen kreiert, das möchte doch bitte schön niemand der Kunst vorwerfen. Wir haben es genossen. Wie ein Bild von Cézanne.

Tom Persich, 27.08.2007



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