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Aram Khatchaturian

Spartacus

RIAS Kammerchor, Michail Jurowski, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Capriccio/Naxos C5112
(137 Min., 2/1996 & 2/1997)

Nein, der berühmte Säbeltanz gehört nicht in die Spartacus-Partitur, sondern in Khachaturians Ballett Gayaneh. Trotzdem muss man auch in dem 1954 beendeten Werk, das hier in der erfolgreichen Fassung des Moskauer Bolschoi Theaters von 1968 zu hören ist, nicht auf eingängige martialische Einlagen verzichten, und Spartacus enthält auch einen Hit sui generis, nämlich ein Adagio, das als Titelmelodie zur BBC-Seifenoper „Die Onedin-Linie“ populär wurde.
Diese mühelose Übertragbarkeit vom Ballett über einen Sklavenaufstand im antiken Rom auf ein maritimes Familiendrama im viktorianischen England zeigt, dass Khachaturian mehr repräsentiert als bloß den künstlerischen Höhepunkt des sozialistischen Realismus. Treffender scheint der Vergleich mit guten Filmkomponisten (zu denen Khachaturian auch zählte): Seine Musiksprache ist unmittelbar dramatisch und plastisch und duldet doch starke Bilder neben sich – sei es auf der Bühne, der Leinwand oder im Kopf des Zuhörers, der weder beim Zu- noch Nebenbeihören zu kurz kommt. Bei aller Durchhörbarkeit und allen Anklängen an Meister von Tschaikowski bis Prokofieff bleibt Khachaturian originell – vor allem in seiner Rhythmik, die nicht nur von einem reichen Arsenal von Schlaginstrumenten, sondern auch vom perkussiv eingesetzen Klavier in den sinfonischen Satz eingebracht wird.
Michail Jurowski, das Deutsche Symphonie-Orchester und der in wenigen Vokalisen eingesetzte RIAS-Kammerchor glauben hörbar an diese Partitur: Auch im dichtesten Schlachtgetümmel bleibt der Orchestersatz brillant und durchhörbar und keine Melodie ist so schmachtend, als dass Jurowski sie nicht mit einem knackigen Kontrapunkt der Bläser auszubalancieren wüsste.

Carsten Niemann, 07.04.2012



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