Mit Liedern seiner mexikanischen Heimat und unsäglich peinlichen "Songs From The Movies" feierte er sein Comeback nach dem vokalen Zusammenbruch, jetzt erscheint Rolando Villazón erstmals wieder in einer Opernpartie auf CD. Der Mitschnitt seiner "Werther"-Auftritte am Londoner Royal Opera House im Mai 2011 ist gerade rechtzeitig vor seinem 40. Geburtstag am 22. Februar veröffentlicht worden.
Als Gesamtpaket hinterließ der Tenor mit seiner leidenschaftlichen Hingabe bei diesen Auftritten einen durchaus positiven Eindruck, auf die rein akustische Seite beschränkt fällt das Urteil allerdings deutlich schlechter aus. Da hilft kein Schönreden: Er ist nicht mehr der Alte, muss sich vieles erkämpfen und ertrotzen und dazu viel Kraft aufwenden. Um das festzustellen braucht man nicht erst des Titelhelden Arie "Pourquoi me réveiller" mit der hinreißend gesungenen Version auf Villazóns französischem Recital von 2004 zu vergleichen.
Sophie Koch ist rein stimmlich eine souveräne Charlotte, der nur einige tiefere Passagen Schwierigkeiten bereiten. Gestalterisch wünscht man ihr aber etwas mehr von Villazóns Engagement, die Zerrissenheit und die Seelenqualen der Figur im dritten und vierten Akt kauft man ihr nicht so recht ab. Gutes Niveau bieten Eri Nakamura und Audun Iversen in den 'supporting roles' als Sophie und Albert. Und da die Athener momentan auf Eulen gewiss verzichten können, stimme ich keine weitere Eloge auf Dirigent Antonio Pappano an.

Michael Blümke, 14.04.2012



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