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Dario Castello, Giovanni Battista Fontana

Sonate concertate in stil moderno

John Holloway, Jane Gower, Lars Ulrik Mortensen

ECM/Universal 476 4641
(71 Min., 6/2008)

Der Barockviolinist John Holloway hat ein großes Herz für Komponisten, die in ihrer Zeit großes Ansehen genossen, aber heute nur noch Spezialisten interessieren. Dabei wäre die Geschichte des Violinspiels etwa ohne den Böhmen Heinrich Ignaz Franz Biber oder den Franzosen Jean-Marie Leclair um einiges ärmer. Bei den beiden Komponisten, die Holloway jetzt eingespielt hat, muss aber wohl selbst so mancher Alte Musik-Insider stutzen. Obwohl Dario Castello (1590 – 1658) und Giovanni Battista Fontana (1571 – 1630) ebenfalls auf dem Gebiet der Kammermusik wichtige Grundlagenforschung betrieben haben, begegnet man ihren vor allem für die Violine geschriebenen Werken kaum bis gar nicht.
Von den im Frühbarock wirkenden Italienern hat Holloway insgesamt 13 einsätzige, wenngleich mehrteilige Sonaten ausgewählt. Und von ihrer zumeist dreistimmigen Besetzung her denkt man natürlich sofort an die Triosonaten Corelli´scher Bauart. Doch bei Castello und Fontana spielt das Renaissance-Fagott, der Dulzian, zusammen mit dem Cembalo nicht etwa brav seine Basso continuo-Rolle. Es kann sich tatsächlich als obligater Dialogpartner behaupten. Gerade bei Castello kommt der hüpfende Dulzian dann schon fast an die virtuose Sprungkraft der Violine heran. Und in so mancher Sonate Fontanas geben die beiden Instrumente gar ein schönes Duett ab, besonders wenn die melodiösen Eingebungen den Geist der Oper und ihres eigentlichen Erweckers Claudio Monteverdi wachrufen.
Das natürlich auf historischen Instrumenten spielende Holloway-Trio macht auch das mit einem angemessen edlen Ton deutlich, so dass man schnell in diese unbekannte Klangwelt hineingezogen wird. Wie zumindest das Echo Fontanas zudem noch Jahrzehnte danach zu hören war, belegt eine seiner eingestreuten Sonaten für Violine und Cembalo. Es ist die mit weiten ‚Gesangs‘-Bögen und reichen Verzierungen daherkommende „Sonata seconda“. Und die nur wenigen Takte im langsamen Mittelteil, in denen das Cembalo so hin- und herwiegt, lassen keinen Zweifel, dass sich Pachelbel davon für seinen „Kanon“-Evergreen inspirieren ließ.

Guido Fischer, 28.04.2012



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