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Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 7, Die Waldtaube

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classics 3984-21278-2 
(58 Min., 12/1997, 3/1998) 1 CD

Nikolaus Harnoncourt ist kein Musiker, der sich in eine Tradition einreiht, ohne sie zuvor auf ihre Gültigkeit hin überprüft zu haben. Wenn er ein bestimmtes Werk angeht, trägt er zunächst einmal die Patina ab, die sich im Laufe der Zeit auf diesem abgelagert hat. Davon befreit, klingt die jeweilige Komposition unter seiner Leitung dann mitunter ungewohnt, aber fast immer sprichwörtlich “frisch wie am ersten Tag”. Das hat allerdings auch seine Kehrseiten. Denn jedes Mal, wenn sich Harnoncourt einem für ihn neuen Komponisten zuwendet, wartet man schon gespannt darauf, wie er ihn denn nun wieder “gegen die Tradition” lesen würde.
Um es gleich vorwegzunehmen: Bei Dvořáks Siebenter Sinfonie lässt Nikolaus Harnoncourt die Kirche im böhmischen Dorf. Er vertritt lediglich eine etwas andere Perspektive auf dieses Werk. Die geistige Nähe Dvořáks zu Brahms ist es, die ihn interessiert und die in dieser bemerkenswerten Aufnahme besonders stark zum Tragen kommt. Das slawisch Fließende der Sinfonie tritt bei ihm zwar etwas in den Hintergrund, dafür aber erhält die Form eine Stringenz, die Dvořák endgültig von dem Vorwurf freisprechen dürfte, ihm seien seine Einfälle zum Verhängnis geworden, weil er es nicht verstanden hätte, sie zu bündeln. Leicht, ohne dick aufzutragen, lässt Harnoncourt musizieren. Und im Concertgebouw-Orchester steht ihm dafür ein Ensemble zur Verfügung, das seine kammermusikalisch transparente Sicht ohne Reibungsverluste umsetzt.
Ergänzt wird die Sinfonie durch Dvořáks sinfonische Dichtung “Die Waldtaube”. Auch hier lässt sich der spürbare Unterschied zur “authentischen” tschechischen Tradition mit Harnoncourts eigenem Standpunkt erklären. Für einen Václav Neumann etwa war diese Tradition noch lebendige Gegenwart. Dementsprechend brachte er die weitausschwingende Geigenkantilene im Mittelteil des scherzoartigen Abschnitts mit ungebrochener, vitaler Sinnlichkeit zum Erblühen. Harnoncourt hingegen fasst sie viel zärtlicher, fast mit einem Hauch von Wehmut an. Er scheint zu wissen, dass die Welt, die hier besungen wird, ein für allemal dahin ist.

Peter Blaha, 31.05.1998



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