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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Jean-Philippe Rameau, Morton Feldman, Georg Friedrich Händel, Helmut Lachenmann u.a.

Baroque Conversations

David Greilsammer

Sony Classical 88697929692
(64 Min., 10/2011)

Die Musikgeschichte auf ihre zeitlos visionären Ideen und funkensprühenden Kräfte abzuklopfen, ist gerade für Interpreten ein Leichtes. Schließlich können sie aus einem riesigen Repertoire-Fundus schöpfen und damit Brücken in jedes Jahrhundert schlagen. Das Gestern im Gegenwärtigen zu spiegeln hat sich nun auch der israelische Pianist David Greilsammer vorgenommen. „Baroque Conversations“ hat er sein Solo-Recital getauft, bei dem es vom 17. & 18. Jahrhundert immer wieder rüber in die Moderne geht. So weit das nicht unbedingt revolutionäre Konzept.
Doch Greilsammer ist nicht nur ein erstaunlich breit aufgestellter Pianist, der von lyrischen Zauberwelten über die spieltechnische Brillanz bis zur handfesten Attacke alles beherrscht. Er hat darüber hinaus noch einen exquisiten Geschmack: Erlesene Piècen der Franzosen Rameau und François Couperin wechseln sich da mit einer strengen Toccata von Frescobaldi oder einer stolzen Pavane von Orlando Gibbons ab. Sie alle, sowie eine Sonate von Antonio Soler und eine Händel-Suite, stecken das (zeitlich äußerst weit gefasste) Barockzeitalter ab. Die vier Komponisten aus dem 20. & 21. Jahrhundert verkörpern zwar u.a. mit Morton Feldman und Helmut Lachenmann gegensätzliche Denk- und Spielarten. Dennoch hat der Pianist auch hier erneut klug zugegriffen, um die weit auseinander liegenden Musik-Epochen anzunähern.
Auch wenn Greilsammer die insgesamt 12 Werke auf vier Dreier-Pakete verteilt hat, müssen sich dahinter nicht immer nur Gemeinsamkeiten verstecken, was Ausdruck und Stimmung angeht. Manchmal geht er den Weg des absoluten Kontrasts, um die Hörgewohnheiten neu herauszufordern. Nach einer Erkundung etwa eines fast stillen Klangraums des Amerikaners Feldman wird mit einem Schlag das Tor aufgestoßen – und Greilsammer dreht irrwitzige Geläufigkeitsrunden, mit denen Soler dem Kollegen Domenico Scarlatti nacheiferte. Mit (erstaunlich) sattem Klavierklang erkundet er dann später eine Trauermusik von Johann Jacob Froberger – und lässt darauf ein für ihn komponiertes, virtuos geräuschhaftes Stück erklingen, mit dem der Israeli Nimrod Sahar Bezug auf den Nahost-Konflikt nimmt. Solche musikalischen Zeitsprünge und Leidenswege muss man erst mal wagen.

Guido Fischer, 12.05.2012



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