home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Responsive image
Ludwig van Beethoven

Sämtliche Klaviertrios

Trio Wanderer

harmonia mundi HMC 902100.03
(245 Min., 12/2010 - 9/2011) 4 CDs

Man mag sich als Rezensent manchmal kaum noch ein eigenes Urteil erlauben, wenn andere schon derart jubeln – so wie im Fall dieser Gesamteinspielung der Beethoven-Trios. Gerade erschienen, klebt das Cover schon voller Empfehlungen bundesdeutscher Redaktionen. Warum nicht gleich draufdrucken? Tatsächlich kann man nicht groß meckern über das umfangreiche Aufnahmeprojekt des Trio Wanderer: Mit enzyklopädischem Eifer und spürbarem Respekt vor dem Notentext haben Jean-Marc Phillips-Varjabédian, Raphaël Pidoux und Vincent Coq einen für Beethoven nicht zentralen, aber doch wichtigen Werkkomplex von A bis Z durchgearbeitet, von dem vielleicht noch in Bonn entstandenen Frühwerk WoO 38 und der Trias, die Beethoven in Wien dann stolz als Opus 1 veröffentlicht, über das Geister- und das Erzherzog-Trio bis zu den späten Kakadu-Variationen op. 121a. Das Ganze gebündelt in einer schönen Box, begleitet von einem kenntnisreichen und ausführlichen Beiheft – das schaut gut aus und hört sich auch ganz gut an.
Die drei Franzosen sind echte Feinmechaniker der Kammermusik. Die Trios klingen leicht, flink, haben Tempo, sie drücken nichts aufs Gemüt, die Intonation stimmt. Andererseits wünschte man sich schon bald mehr Gestaltung, mehr Modulation, eine emphatischere musikalische Rede. Beethoven hat schließlich das Trio vom Parfumdunst der Divertimenti erlöst und ihm eine gehörige Portion künstlerisches Selbstbewusstsein eingeflößt. Dafür aber lassen gerade die beiden Streicher (der Geiger Phillips-Varjabédian mehr als Cellist Pidoux) ihre Stimmen oft arg kurzatmig klingen, absolvieren sie dann wie Pflichtübungen – man vernimmt mehr Passagenwerk, als Beethoven komponiert hat. Gleich in den ersten Takten des zweiten Satzes von op.1/I beispielsweise: Da überlässt der Klavierfanatiker Beethoven der Violine freundlicherweise das schöne Hauptthema, doch die will die besondere Geste partout nicht würdigen, summt bloß, statt stolz zu singen. Schade. Unterm Strich also eine eher sachliche Aufnahme, vorsichtig formuliert.

Raoul Mörchen, 19.05.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top