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Johann Sebastian Bach

Sonaten für Cembalo und Violine BWV 1014-1019

Chiara Banchini, Jörg-Andreas Bötticher

Zig-Zag Territoires/Note 1 ZZT 302
(95 Min., 7/2011)

Bach Sonaten für Cembalo und Violine sind, wie so viele seiner Werke, keine leichte Kost: Nicht nur den Interpreten verlangen sie eine Menge technisches Finish und interpretatorische Kreativität ab – nein, auch den Hörer fordern sie bis an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit, wenn er sich denn der Mühe unterzieht, diese Stücke wirklich auch strukturell mitvollziehen zu wollen. Aber was hat er schon für eine Wahl? Entscheidet er sich gegen das Mit-Einsteigen in die Wunderwelt des Kontrapunkts, dann wird ihm die ungeheure polyphone Dichte dieser Musik vielleicht mehr Stress als Freude bereiten.
Wenn Chiara Banchini und ihr überaus kompetenter Begleiter Jörg-Andreas Bötticher sich etwas vorgenommen haben, dann ist es wohl, dem Hörer nichts vorzuenthalten von der staunenswerten Fülle dieser Musik: Sie lassen ihn miterleben, wie aufregend es ist, dass der begnadete Cembalovirtuose Bach für diese Sonaten, die de facto ja Triosonaten sind, einfach auf das zweite Melodieinstrument verzichtet und die rechte Hand des Cembalos kurzerhand dessen Part übernehmen lässt. Sie lassen den Hörer spüren, dass Bach kaum jemals einen einzigen Takt komponiert, indem er nicht die motivisch-thematische Grundsubstanz durchknetet und durchwalkt. Und sie lassen den Hörer mit aller Konsequenz fühlen, dass das Hörerlebnis solcher Fülle fast zur Belastung werden kann.
Dennoch: Nicht alles, was hier an Masse auf den Hörer einprasselt, geht allein auf das Konto von Bachs Absolutheitsanspruch; immer wieder schleichen sich auch klangliche Härten ein, die eher auf Frau Banchinis spezifischen Zugriff auf ihr Instrument zurückzuführen sind. Bewegt sie sich mit großer Geschwindigkeit auf den tiefen Saiten ihrer Geige, dann intoniert sie oft harsch und unsauber – so etwa über weite Strecken im Schlusssatz der c-Moll-Sonate. Geradezu wüst und rau erscheint ihr Spiel hier, das doch andernorts so dezent und lieblich daherkam. Solche Extreme gehen über das interpretatorisch Vertretbare hinaus und bilden bedauerlicherweise ein allgegenwärtiges, unüberhörbares Irritationspotential in diesem Doppelalbum.

Michael Wersin, 23.06.2012



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