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Marin Marais

Les Voix Humaines

Hille Perl, Lee Santana

DHM/Sony BMG 88697 07162-2
(73 Min., 01/2007) 1 CD

Viele versuchen es, aber wenige erreichen es: das Kunststück, als Popkünstler und Alte-Musik-Experten zu gleicher Zeit authentisch zu wirken. Dass sie zu denen gehört, die es erreicht hat, macht Hille Perl zur Ausnahmekünstlerin. Mögen sie und ihr Partner Lee Santana sich auch inszenieren – in ihrem Spiel gelingt der stets schwarz gekleideten Rotweinliebhaberin eine so vollkommen natürliche Verbindung zwischen Sinnlichkeit und melancholischer Endzeitbetrachtung, dass moderne und barocke Lebenslust, heutige Weltflucht und barockes Memento mori zu einem Lebensgefühl zu verschmelzen scheinen. Und so gelingt es ihr in Marin Marais' „Tombeau pour Monsieur Lully“ (1701) sogar den anderen großen Charismatiker der Gambe, Jordi Savall, um Längen zu schlagen. Im Vergleich zu der überirdischen Gelassenheit und dem tiefen Atem ihrer Interpretation hat Savalls Version mit ihren deftigen Bässen einen Hauch zu viel Aufmerksamkeit Heischendes. In Stücken wie Marais „L’Arabesque“ beeindruckt Hille Perl mit einer Handschrift, in der Text und Verzierung mit scheinbar mühelosem Schwung verbunden sind. War die Überraschung über Perls und Santanas Zugriff bei ihren erstem Marais-Album auch deswegen groß, weil sie den Komponisten jenseits seiner populären Charakterstücke entdeckten, so liegt der Vorteil dieses Albums in dem noch subtiler gewordenen Zusammenspiel. In den Passagen, in denen Marais durch Lagenwechsel ein zweistimmiges Solospiel vortäuscht, verbinden sich die Klangfarben von Gambe und Theorbe derart vollkommen, dass man denkt, es säße noch eine zweite Gambe im Continuo.

Carsten Niemann



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