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Antonín Dvořák

Klavierquartett Es-Dur op. 87, Romantische Stücke op. 75, Sonatine G-Dur op. 100

Emanuel Ax, Isaac Stern, Jaime Laredo, Yo-Yo Ma

Sony 5 099706 259725
(68 Min., 4/1996, 12/1996) 1 CD

Diese vier Jahre alte Dvořák-Einspielung dokumentiert das Zusammentreffen eines All-Star-Ensembles mit Nestor Isaac Stern. Doch die Addition großer Namen garantiert noch kein spannungsvolles Miteinander. Die Interpretation des Es-Dur-Quartetts gelangt nicht über gediegenes Mittelmaß hinaus. Warum? Nun, die Herren Stern, Laredo, Ma und Ax lassen es forsch beginnen, musikantisch eben. Beim Dumky-Trio würde das angehen. Dieser Kopfsatz aber ist spröde, und zu schwelgerischem Genuss lädt er einfach nicht ein. Das dürre, hart einschlagende Unisono-Motto wollen unsere Interpreten schnell hinter sich lassen, um in klanggesättigtere Zonen voranzukommen. Musiker, die die Gräben des Werkes tiefer auszuloten bereit sind – etwa Rubinstein mit den Guarneris - formen den grimmig-rhetorischen Beginn viel einschneidender, erzeugen Spannung zwischen dieser Unisono-Hohlform und der "richtigen", harmonisch gesättigten Themenaufstellung. Stern & Co. aber planschen im böhmischen Binnengewässer; sie unterschätzen im ganzen Stück die brahmsisch-konstruktive Tiefe dieses Meisterwerkes.
Dort, wo ein wenig Schmelz gefragt wäre, bleibt die Interpretation seltsam flau. Aus dem hinreißenden Eingangs-Solo des Lentos muss ein Cellist mehr machen als der hier recht schmalbrüstig klingende Yo-Yo Ma. Auch die eigenartig orientalisierenden Tonfolgen des Scherzos könnten mit raffinierter ausgekosteten Echo-Effekten und Farbwechseln zu ganz anderer Wirkung gebracht sein. Es spielt sich eben nicht von alleine, dieses Quartett. Auch nicht von berühmten Herren.

Matthias Kornemann, 15.06.2000



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