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Unclouded

Silje Nergaard

Columbia/Sony 88691 928342
(49 Min.)

Nicht nur, weil sich dieses Phänomen im Missvergnügens-Sommer 2012 kaum beobachten lässt, sollte man den Titel von Silje Nergaards neuem Album „Unclouded“ nicht mit „wolkenfrei“ übersetzen. „Unbeschwert“ trifft es deutlich besser – schließlich hat die norwegische Sängerin sämtlichen Ballast abgeworfen, der das großorchestrale Vorgängeralbum „A Thousand True Stories“ bestimmte.
Auf „Unclouded“ lässt sich Nergaard hauptsächlich von den beiden Gitarristen Hallgrimm Bratberg und Håvar Bendiksen begleiten, ab und an garniert von dezenter Perkussion und pointierten Gaststar-Auftritten. Und siehe da: Die freundliche Lagerfeuerstimmung verführt die prominenten Unterstützer zu überraschenden Dingen. Wann beispielsweise hat man den düsteren Elektro-Experimentalisten Nils Petter Molvaer zuletzt so lyrisch Trompete spielen hören wie auf der Einstiegsnummer „All I Had“? Und auch der ohne seinen charakteristischen Chorus-Effekt agierende John Scofield ist in Nergaards Swing-Stück „God’s Mistakes“ kaum wiederzuerkennen.
Die Sängerin bleibt sich freilich treu. Mit ihrem Mix aus poporientierten Eigenkompositionen und traumverhangenen Standardbearbeitungen (in seiner Todtraurigkeit sehr gelungen: „The Moon’s A Harsh Mistress“) beackert sie souverän das Erwachsenenmusik-Feld.
Aber es geschieht auf „Unclouded“ aus heiterem Himmel auch Unerwartetes: etwa das Scat-Solo der norwegischen Saxofon-Ikone John-Pål Inderberg in „He Must Have Been Telling A Lie“ oder das Aufeinandertreffen einer zweisaitigen indischen Gitarre mit einer keltisch anmutenden Melodie in „Norwegian Boatsong“. Dieser Wagemut steht Silje Nergaard gut.

Josef Engels, 21.07.2012



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