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Johann Schenk

The Music of Johann Schenk – Sonaten und Suiten aus „Le nymphe di Rheno“, „Echo du Danube“, „Scherzi Musicali“ und „Tyd en konst Oeffeningen“

Hille Perl, Lee Santana, Marthe Perl, Johannes Gontarski

Dhm/Sony 88691903812
(76 Min., 9/2011)

Weil die nachlässige Nachwelt den einst hochberühmten deutsch-niederländischen Gambisten Johannes Schenck (ca. 1660 - ca. 1712) lange Zeit vergaß, herrscht heute Verwirrung um die Lebensdaten und um die Schreibweise seines Namens. Diese CD macht die Sache nicht leichter, da sich Hille Perl für die weniger verbreitete (und weniger wahrscheinlichere) Schreibweise stark macht und sich auf dem Cover auch noch versehentlich die Lebensdaten von Telemann eingeschlichen haben.
Umso gewichtiger ist das, was Perl und ihre Musiker in Tönen zu dem Komponisten zu sagen haben. Schenck ist in der Gambenszene zwar längst eine wichtige Größe. Dass er dennoch tief im Schatten seines Zeitgenossen Marin Marais steht, liegt wesentlich an der Vielfältigkeit seines Stils: Dieser enthält viele nationale und regionale Idiome und entwickelte sich zudem auch sehr im Laufe seines Lebens. Perl geht dieser Vielfalt nicht aus dem Weg, sondern stellt den Komponisten in dieser repräsentativen Auswahl von Sonaten und Suiten in vielen Facetten vor. Zusammen mit Marthe Perl folgt sie den Linien seiner intim-grüblerischen Gambenduette, ergeht sich unter reichen Improvisationen der Zupfinstrumente in tranceartigen Ostinati und lässt sich in einem konzertartigen Satz sogar mit einer veritablen Solokadenz hören.
Manchmal scheinen Schenck und Perl aber auch aneinanderzugeraten. Während Schenck wohl auch seine Freude an einer rein instrumental gedachten Ornamentik und einer brillanten, wenn auch leicht oberflächlichen Virtuosität hatte, beharrt Perl darauf, die Gambe zuallererst wie eine Stimme zu behandeln. Dadurch mag das eine oder andere Detail etwas unterbelichtet oder weichgezeichnet wirken; der Gewinn ist jedoch eine größere emotionale Tiefe und ein Spannungsbogen, dessen hypnotischer Kraft man auf Dauer einfach erliegen muss.

Carsten Niemann, 25.08.2012



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