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Antonín Dvořák, Maurice Ravel

Sinfonie Nr. 9, Ma Mère l'Oye (Suite)

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Carlo Maria Giulini

Music For You/Sony 89951
(66 Min., 11/1989, 5/1992) 1 CD

In Carlo Maria Giulinis bedächtiger, detailreicher Interpretation wird Dvoráks "Neue Welt" nicht erobert, sondern liebevoll und gründlich erforscht. Temperamentsausbrüche sind Giulinis Sache nicht - zumindest nicht die des reifen Giulini, und am Tage nach der Aufnahme wurde der achtundsiebzig Jahre alt. Insofern sind zupackendere, dramatischere Einspielungen des Kopfsatzes, tänzerische des Scherzos nicht nur denkbar, sondern bereits hundertfach verwirklicht worden.
      Doch wann hört man das Finale, das in weniger inspirierten Deutungen leicht ins Banale abgleiten kann, so überzeugend in alle motivischen Einzelheiten aufgeschlüsselt, so genuin sinfonisch? Trotzdem wirkt Giulinis Dirigat keineswegs unidiomatisch wie etwa das Nikolaus Harnoncourts (siehe Rezension). Das oft missbrauchte Largo schließlich erklingt in geradezu religiöser Entrückung, als eine Meditation außerhalb von Raum und Zeit; Giulinis himmlische Länge wird nie langatmig.
      Wunderschön auch Ravels "Ma Mère l'Oye" in der Version als fünfsätzige Suite, nicht in der längeren Ballettfassung, die heute meist eingespielt wird. Giulini ist immer dann am besten, wenn er in aller Ruhe eine Welt vor uns ausbreiten kann; die emotionale Tiefe und der diamantene klangfarbliche Schliff, die er der Komposition angedeihen lässt, erhebt die Stücke über ihre miniaturhafte Dimension hinaus in den Rang, der ihnen angemessen ist: den eines großen Werkes. Ein zusätzliches Lob gilt der, wie stets bei dieser Sony-Serie, vorbildlichen Präsentation.

Thomas Schulz, 02.05.2002



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