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Schlippenbach Plays Monk

Alexander von Schlippenbach

Intakt/harmonia mundi INT207
(56 Min., 11/2011)

Einst galt Thelonious Monk als monolithischer Block und pièce de résistance – fest verankert in der Tradition und doch hart an der Grenze zum Free Jazz. Zeitgenossen und Nachfahren schreckten vor seinen genial sperrigen Themen zurück. Heute allerdings ist eine Flut von Monk-Einspielungen auf dem Markt, als wollten junge und alte Jazz-Eleven ihre Gesellen- oder Meisterstücke mit derartigen Projekten abliefern; die Resultate sind oft entsprechend, nichts bleibt vom spezifisch Monkischen, dem abgründig aufgekratzten Sound.
Alexander von Schlippenbachs Monk-Einlassungen sind da ein Ruf in der Wüste. Er ist ein Mann der ersten Stunde des europäischen Free Jazz, dabei bezogen sich seine Pianistik und Kompositionsweise schon immer auf Monk und dessen großen Bewunderer Cecil Taylor. Mit einer Trio-Hommage und dann mit seiner Einspielung des Monkschen Gesamtwerkes im Quintett hat er sich bereits als wahrer Bruder im Geiste des erratischen Kollegen bewiesen. Nun lässt er sich mit diesem Soloalbum auf ein Format ein, das von Monk wesentlich geprägt wurde. Man staunt und ist ergriffen darüber, wie genau Schlippenbach den Strukturen von immer noch eher selten gehörten Themen folgt und sie nicht etwa als Steinbruch für freie Powerplay-Explorationen nützt. Am superb aufgenommenen Steinway zelebriert er eine tief bewegende persönliche Anverwandlung von Monkscher Werktreue – inklusive gelegentlicher Stride-Passagen. Mit feinsinnig abstrakten Interludien aus eigenem Geiste reflektiert und verbindet er die Monk-Interpretationen und macht dieses Album vollends zu einem Meisterwerk.

Thomas Fitterling, 03.11.2012



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