Musik als Balsam für die von der Eurokrise angefressene Seele – unter dieses Motto hat Hille Perl laut ihres Bookletbeitrags ihre neueste Aufnahme gestellt. Um aber dem Leben abseits der täglichen Breaking-News musikalisch wieder einen Sinn zu geben, müssen es schon erstklassige und damit zeitlose Werke sein. Nun hat Perl mittlerweile nahezu alle Meisterwerke für Gambe auf ihrem diskografischen Konto, von Bach bis Marais. Und trotzdem schafft sie es in schöner Regelmäßigkeit, selbst aus Repertoire-Raritäten kleine Wunderwerke zu machen, die einen sofort an die Hand nehmen.
So wie bei dieser Entdeckungsreise durch die deutsche Barocklandschaft, auf der einem nicht nur ein geistvolles Konzert für Viola da Gamba und Blockflöte von Georg Philipp Telemann begegnet. Ein besonderer Akzent des Programms liegt auf dem Wirken von Ludwig Christian Hesse und Carl Friedrich Abel, die im 18. Jahrhundert auf der Gambe gefeierte Virtuosen waren. Von Abel hat Hille Perl drei Solo-Werke ausgewählt, die sie mit solch aristokratischer Haltung und empfindsamer Tiefe spielt, als wären sie für die royalen Kammermusiken von Louis XV. bestimmt gewesen. Galant und voller kantabler Innigkeit kommen dagegen die Concerti von Johann Pfeiffer und Johann Gottlieb Graun daher, der mindestens acht Gambenkonzerte für Hesse geschrieben hat. Und zusammen mit dem Freiburger Barockorchester schafft es Hille Perl auch hier, scheinbaren Leichtgewichten eine Würde und einen Schwung zu verleihen, der garantiert als Antidepressivum gegen alle tagespolitischen Hiobsbotschaften wirkt.

Guido Fischer, 17.11.2012



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