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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Antonín Dvořák

Serenaden

Wiener Philharmoniker, Myung-Whun Chung

DG/Universal 471 613-2
(50 Min., 6/2001) 1 CD

Antonín Dvořáks Streicherserenade ist eines jener Stücke, deren unbeschwerte und vollkommene Schönheit immer wieder aufs Neue wie ein Wunder erscheint; auch wer Titel und Komponist des Werks nicht kennt, hat Teile daraus schon einmal irgendwo gehört und freut sich bei jeder Wiederbegegnung mit diesen zauberhaften Klängen genauso wie beim ersten Hören. Als Dvořák das Stück 1875 in kürzester Zeit komponierte, war er seit kurzem in der glücklichen Lage, sich auf Grund eines Staats-Stipendiums nun ganz dem Komponieren widmen zu können; entsprechend heiter und beseelt fiel die Serenade aus. Allerdings schmälerte die Freude nicht Dvořáks Ehrgeiz, strukturell sehr komplex und raffiniert ans Werk zu gehen: Auch wenn der mehr auf Genießen eingestellte Hörer nicht all die Details der dichten Verarbeitung des motivischen Materials wahrnimmt, so unterstützt doch gerade auch die Perfektion auf dieser Ebene halb- oder unbewusst den Eindruck von Vollkommenheit.
Etwas weniger bekannt als die Streicherserenade ist die drei Jahre später komponierte Bläserserenade, in der Dvořáks Ideenfluss ebenso reich und ungebremst strömt wie beim älteren Schwesterwerk. Aufs Geschickteste führt er die prägnanten Klangfarben der Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner, gestützt von Cello und Kontrabass, in immer neue reizvolle Kombinationen und bietet den Spielern mit teils sehr virtuosen Passagen Gelegenheit zu effektvoller solistischer Entfaltung.
Myung-Whun Chung versteht es in seiner Aufnahme beider Werke, den unverwechselbar warmen und weichen Klang der Wiener Philharmoniker für den Zauber von Dvořáks Musik nutzbar zu machen. Er erliegt dabei allerdings nicht der Versuchung allzu üppigen Zuckergusses, sondern führt die Ensembles prinzipiell recht straff durch die Partituren. So entstehen beileibe nicht etwa asketische Versionen, wohl aber solche, die auf Grund ihrer klassischen Ausgewogenheit ihren Reiz lange nicht verlieren werden.

Michael Wersin, 31.05.2003



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