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Family Tree

Oregon

Cam Jazz/Edel 7855-2
(61 Min., 4/2012)

Kulturelemente aus aller Welt wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer zugänglicher und präsenter. Das war nicht immer so. Als das amerikanische Quartett Oregon in den 1960ern Indisches, Europäisches und Jazz verschmolz, war der Begriff „Weltmusik“ noch nicht einmal erfunden. Damals öffnete die Musik der vier Amerikaner Horizonte, zumal sie – anders als das Gros der Popproduktionen jener Jahre – nicht nur eine Sitar als Dekorationsmaterial einsetzte, sondern dem Wesen der indischen Musik ebenso tief wie dem Kern des Jazz gerecht zu werden versuchte. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und so ist Oregon nicht nur die beständigste sondern auch die über Jahrzehnte hinweg seriöseste Weltmusikformation.
Das verdeutlicht auch das Album „Family Tree“ mit zwölf wunderbaren Kompositionen, die sich erneut aus Quellen jenseits der gängigen Klassik-, Jazz- und Ethno-Schemata speisen. Dabei verfügt Oregon über einen eindeutigen Ensemblesound, der auf- und absteigende Unisonopassagen und füllige Ruhephasen ebenso umfasst wie individuelle Eigenheiten insbesondere in der Tongebung von Paul McCandless, der seine Melodien auf Oboe und Sopransaxofon mit einer eigenen, hellen und höchst beweglichen Charakteristik bläst, die sich modifiziert in seinem Spiel auf Flöte und Bassklarinette findet. Der Percussionist Mark Walter, als einziger kein Stammmitglied aus den 1960ern, bringt ein treibendes, vielschichtiges Element zwischen ethnischen Rhythmen, Jazz und Rock in die komplexen Arrangements, in denen der Bassist Glen Moore für tiefgründige Orientierungspunkte sorgt und Ralph Towner mit akustischer Gitarre, Klavier und Synthesizer Elemente spanischer Gitarrenmusik und europäischer Klassik einbringt. Manche Titel schmeicheln sich wie Popsongs ins Ohr, andere sind etwas sperriger. Sorgfältig arrangiert, klangfarbenreich und groovy sind sie allesamt.

Werner Stiefele, 01.12.2012



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