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Antonín Dvořák

Sinfonische Dichtungen

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec 2564 60221-2
(83 Min., 12/1997-10/2001) 2 CDs, z. T. Live-Mitschnitte

Immer unerbittlicher klopft der Wassermann in der gleichnamigen sinfonischen Dichtung mit einem markanten Motiv in den tiefen Blechbläsern und Streichern an die Tür seiner Menschenbraut und wirft ihr schließlich das gemeinsame Kind tot hin. Da nützt auch die Klage der Großmutter in den Flöten nichts.
Sie lassen Jung und Alt erschaudern, die Balladen des böhmischen Dichters Karel Jaromir Erben, Mitte des 19. Jahrhunderts in der Sammlung "Die Girlande" veröffentlicht. Dvořák hat in späten Jahren vier davon als sinfonische Dichtung vertont. Er konnte sicher sein, dass seine Landsleute die Gedichte ebenso gut wie er kannten und bis heute kennen. So kann man nicht nur den im Booklet (leider sehr kurz) beschriebenen Ablauf der Balladen nachvollziehen, wer des Tschechischen mächtig ist, kann sogar die Gedichte mitrezitieren, denn als Vorläufer von Janáček hat Dvořák den Sprechrhythmus zur Gestaltung der Themen aufgegriffen.
Teils als Mitschnitt, teils als Studio-Produktion entstanden, präsentieren Harnoncourt und das Royal Concertgebouw Orchestra die vier zu Unrecht wenig bekannten sinfonischen Dichtungen nach Erben, bei denen Dvořák wieder einmal sein Füllhorn mit Klangfarbenvariationen ausgeschüttet hat; allerdings ist nur "Das Goldene Spinnrad" eine Erstveröffentlichung.
Die farbenreichen Partituren geraten unter Harnoncourts Dirigat spannungsreich, dramatisch, klanglich sehr abwechslungsreich und bestechen zugleich durch einen transparenten, luftigen Klang. Und als wären die Partituren nicht effektvoll genug, wurde im "Wassermann" auch noch ein nicht notiertes Donnerblech eingesetzt!

Peter Overbeck, 29.11.2003



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