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Miraculous Loss Of Signal

Reinhold Schmölzer, Orchestraconteur

Unit Records/harmonia mundi UTR4366
(60 Min., 12/2011)

Für sein Arrangement der Radiohead-Nummer „Lotus Flower“ verlieh das Jazzmagazin Downbeat den „35th Annual Student Music Award 2012“ an Reinhold Schmölzer. Tatsächlich schafft es der Österreicher, den Rocksong in virtuosen, filigranen Jazz umzusetzen. Sorgfältig dekonstruiert er den Song, um ihn dann mit seinem eigenen Orchestraconteur neu zu erzählen. Dabei mutet die Zerlegungsphase recht frei und klangmalerisch an, während der Neuaufbau in einem Bigband-Arrangement voll von knackigen Rhythmen, unerwarteten Wendungen und perfekt ineinander verwobenen Melodielinien erfolgt.
In den impulsstark und klar abgemischten acht Titeln scheut Schmölzer weder das Spiel mit minimalistischen Wiederholungsfiguren noch fast sakrale Bläsersätze oder die Integration von zarten Dissonanzen, harschen Intonationsweisen und ansprechenden Melodien. Dass die Stücke Namen wie „Narcotic Incotriac“, „Wheeling Around That So.Fl“ oder „Enacted Disorder“ tragen, ist kein Wunder: Die skurrilen Namen passen zu den an Brüchen reichen Kompositionen. Für seine achtzehnköpfige Besetzung schrieb Schmölzer Stücke voll von Breaks und Stopps – er ist Schlagzeuger und denkt weitaus stärker als andere Bigband-Komponisten und Bigband–Arrangeure in rhythmischen Kategorien. Dem entsprechend ist auch Schmölzers Schlagzeug weiter nach vorn gemischt, als dies in den meisten Bigband-Produktionen üblich ist. In einer Zeit, in der oft die weitere Elektrifizierung von Musik als Fortschritt gedeutet wird, ist die nahezu elektronikfreie Bigband eine klangliche Überraschung. Schön, dass es auch auf der Ebene des akustischen Jazz niveauvoll und innovativ weiter geht.

Werner Stiefele, 22.12.2012



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