home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



So ist das mit Erwartungen: Sie können enttäuscht werden. Im Oktober 2010 bot Kristine Opolais in der Titelrolle von Dvořáks "Rusalka" am Münchner Nationaltheater eine Leistung, für die jeder Superlativ zu kurz greift. 'Um ihr Leben gesungen' trifft es wohl am besten. Ein gutes halbes Jahr danach entstand in Köln die erste CD-Aufnahme der jungen Lettin. Auf Puccinis "Suor Angelica" fiel die Wahl. Keine schlechte, wie man im ersten Moment denkt. Und prompt die Erwartungen wachsen spürt – die jetzt von der fertigen Einspielung enttäuscht werden, oder zumindest deutlich zu Recht gestutzt.
Der erste – und schwerwiegendste – Einwand: Diese Angelica rührt nicht an, man leidet nicht mit. Obwohl es durchaus überzeugende Facetten zu bewundern gibt. Die Arie "Senza mamma" beispielsweise beginnt die 33-Jährige nach innen gerichtet, ohne große vokale Gesten, wie eine Art Selbstgespräch. Dadurch bildet sie einen geschickten Kontrast zu den darauffolgenden Steigerungen des Finales. In den dort geforderten Forte-Höhen aber nimmt ihr Sopran – wie zuvor schon stellenweise im Duett mit der Fürstin – eine unschöne Färbung an, wird unruhig, der Kraftaufwand ist nicht zu überhören. Lioba Braun will der herzlosen Fürstin mit weicher Phrasierung unsinnigerweise 'menschlichere' Züge verleihen, ihrer eher betulich wirkenden Stimme fehlt zudem das nötige Alt-Fundament. Höchst erfreulich ist hingegen die delikate musikalische Leitung von Andris Nelsons, aber der kann die Enttäuschung über die Frau Gemahlin nur teilweise wettmachen. Ein früherer Triumph kann sich im Nachhinein eben auch als Fluch erweisen.

Michael Blümke, 22.12.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top