Responsive image

pommelHorse

POMMELHORSE

Unit Records/harmonia mundi UTR 4306
(47 Min., 2011)

Während eines gemeinsamen Essens von fünf Studenten der berühmten Berner Swiss Jazz School, die gerade dabei sind, zu einer Band zusammenzuwachsen, läuft die Übertragung der Turnübungen am Seitpferd bei den olympischen Spielen 2008. Das Sportgerät, das im süddeutschen Sprachraum auch Pauschenpferd genannt wird, hat im Englischen den lustigen und poetisch klingenden Namen pommelhorse. Spontan wird dieses Wort der Name des Projektes der fünf.
Anders als so viele ihrer Kommilitonen deklinieren der Schlagzeuger Gregor Lisser, der E-Bassist Jeremias Keller, der Klarinettist Lukas Roos, der Saxofonist Joel Graf und der Gitarrist Simon Rupp, für den später der Keyboarder Olivier Zurkirchen in die Band kommt, nicht einfach die Kanones des beboppenden Standardspiels oder der Rock-Jazz-Fusion-Abteilung, vielmehr machen sie eine frische Musik, die gekennzeichnet ist von präzise kalkulierten, auskomponierten Strukturen. Dabei bedienen sie sich augenzwinkernd vergnüglicher Klangkonzepte des Free Jazz à la Breuker ebenso wie vertrackt manipulierter elektronischer Rockelemente und lassen auch mal Versatzstücke der ersten Miles-Davis-Elektroband aufblitzen. Klassische Jazzsoli sind aufgehoben in einem oft ohrenschmeichelnden harmonisch-melodischen Gesamtablauf, bei dem es wie bei der Turnübung am Pauschenpferd durchaus zu sich steigernd wiederholenden Volten kommt. Dass bei dieser Debüt-CD die Übungen von äußerster Disziplin und von streng in elegante Choreografie gewendeter maskuliner Athletik sind, ist auch Ergebnis der fokussierenden Arbeit des Produzenten Markus Gfeller.

Thomas Fitterling, 05.01.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten von Johannes Brahms, dass er sich aus notorischem Selbstzweifel mit manchen Gattungen seiner Zeit so schwer getan hat. Andererseits war dadurch auch seine Kreativität herausgefordert, eigene Wege zu beschreiten. Am 18. Februar 1869, also vor fast genau 150 Jahren, wurde nach langen Umstellungen und Ergänzungen sein „Deutsches Requiem“ uraufgeführt. Erst auf den zweiten Blick offenbart das Werk, das dem 33-jährigen den Durchbruch verschaffte und bis […] mehr »


Top