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Ludwig van Beethoven

Streichquartette Vol. 1

Belcea Quartet

Zig Zag Territoires/Note1 ZZT315
(12/2011, 3/2012, 5/2012) 4 CDs

Mit jedem weiteren Gang durch die ausgetretenen Galerien des Repertoire-Museums scheint bei den Interpreten die Neigung zu wachsen, den ausgestellten Werken die vermeintlich zukunftsweisenden und unerhörten Facetten zu entlocken. Überzeichnung legt sich nicht selten über einst vertraute Züge, bis wir Hörer in einer seltsamen Umkehrung in einer sensiblen, zurückgenommenen Betrachtung der Mitte staunend etwas Verlorenes wiedererkennen.
Eine solche behutsame Wiedererkundung gelingt dem Belcea Quartet in den Beethovenschen Streichquartetten. Schon dem flüchtig Hörenden wird die Homogenität des Instrumentariums, die klangliche Transparenz und die Festigkeit des metrischen Gerüstes in dieser Werkschau auffallen. Wer nun denkt, diese gelassene, unrhetorische Attitüde nehme dem „Quartetto serioso“ op. 95 etwas von seiner inneren Hitze, täuscht sich. Es ist eher, als würde das unerbittlich im Hintergrund tickende Metrum jene Folie klassischer Strenge geben, auf der die geballten Energien des Kopfsatzes umso eindringlicher kollidieren. Allzu ruppige Klanglichkeit wie beim Artemis-Quartett braucht es da gar nicht, ebensowenig tröstend-schubertsche Süße im Seitenthema.
Das Opus 127, jenes sich oft allzu hymnisch-choralhaft auftuende Spätwerk-Portal, wird zur Apotheose der Unaufgeregtheit. Die meist so harsch und ausdrucksbemüht ausgespielten Kontraste gehen im ersten Satz ja fast nie über f und p hinaus, sind eher Schattierungen auf einem Pastell, wie man staunend vernimmt. Wenn dann im Presto-Teil des Scherzos das Fortissimowüten tatsächlich losbricht, erschüttern seine Synkopenschläge das modeste Umfeld in einer unerhörten Weise. Das ist interpretatorische Ökonomie. Folgerichtig enden die Belceas dann auch nicht in jubelnder Es-Dur-Exaltation, sondern recht nachdenklich. Da fällt es schon auf, dass ihnen in der absurd schnell heruntergehaspelten Fuge des op. 59/3 einmal die Pferde durchgehen. Ein Brechtscher Verfremdungseffekt, der nachdrücklich auf die erfüllte Mitte dieses Quartettspiels weist.

Matthias Kornemann, 12.01.2013



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