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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Robert Schumann

Sinfonien Vol. 1 (Nr. 2 & 4); Sinfonien Vol. 2 (Nr. 1 & 3)

Christian Zacharias, Kammerorchester Lausanne

MDG/Codaex MDG 940 1745 bzw. MDG/Codaex MDG 940 1772
(64 Min., 9/2011) SACD

Im Mai und November 2012 erschienen auf zwei CDs Schumanns vier Sinfonien mit dem „Orchestre de Chambre de Lausanne“ unter der Leitung von Christian Zacharias. Der Pianist, der seit Beginn der 1990er Jahre auch als Dirigent auftritt, übernahm die Leitung des westschweizerischen Ensembles im Jahre 2000.
Sein Schumann präsentiert sich insgesamt angenehm rund im Klangbild und zeugt vom Bemühen des Dirigenten um eine spannungsreiche, differenzierte Gestaltung. Nach genauerem Blick aufs Detail muss allerdings konstatiert werden, dass dies streckenweise denn doch nicht ganz überzeugend gelingt. Vergleicht man etwa die vorliegende Darbietung des ersten Satzes der „Vierten“ mit der vielgerühmten Interpretation Thomas Hengelbrocks und des „NDR-Sinfonieorchesters“ (Sony, September 2011) – wobei dem Rezensenten selbstverständlich bewusst ist, dass Hengelbrock eine etwas andere Fassung des Stücks eingespielt hat –, dann sticht schon bei der langsamen Einleitung Hengelbrocks besserer Zugriff auf den langgestreckten Spannungsverlauf hervor: Bei Zacharias wird man immer wieder mit der Nase auf die periodische Reihung baugleicher Phrasen gestoßen, bei den Hamburgern erscheinen dieselben Passagen als lineare Steigerungspartie. Zacharias und den Schweizern glückt dann der Übergang ins schnelle Tempo nicht ganz reibungsfrei, während Hengelbrock hier eine nahtlose Verbindung zu schaffen versteht und im schnellen Teil auch gleich sehr forsch und schneidig zupackt – Zacharias kommt hier nicht recht vom Fleck.
In der anschließenden „Romanze“ beweist Zacharias allerdings ein gutes Gespür für eine konturenscharfe Artikulation des melodischen Geschehens – Hengelbrock agiert hier deutlich wattiger. Wenn sich im weiteren Verlauf aber die Register des Orchesters stärker profilieren sollten, sammelt Hengelbrock wieder Pluspunkte, während Zacharias Möglichkeiten zur klanglichen Differenzierung verschenkt …
Man könnte die Liste fortführen und damit auf Dauer den Leser langweilen. Drum sei auf Basis des umfassenden Höreindrucks abschließend die These gewagt, dass Zacharias beim Formen und Ausziselieren der Farbpalette, beim Vorgeben und Führen einer klaren Durchgestaltung der Partitur nicht ganz mit derselben Routine und Sicherheit zu Werke gehen kann wie beispielsweise Hengelbrock, der seine Meriten seit je her mit dem Dirigieren erworben hat. Zacharias dagegen hat es auf dem Klavier soweit gebracht wie nur wenige andere zeitgenössische Pianisten – aber so ganz ohne Instrument direkt unter den Fingern erfreut er sich noch nicht allerletzter Sicherheit.

Michael Wersin, 19.01.2013



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